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Frühes Pressglas, 1830-1860
Einleitung

Das Technische Museum Wien hat eine der schönsten Biedermeier-Glassammlungen der Welt. Die Pressglasobjekte dieser Bestände führten angesichts der schillernden Schönheit geschliffener und geschnittener Gläser bisher ein eher unbeachtetes Dasein. Und das, obwohl frühes Pressglas durchaus einen eigenen Charme hat und mehr als nur eine Imitation geschliffenen Glases ist.

Der Bestand des Technischen Museums Wien aus der "Wiege" der maschinengepressten Gläser ist in seiner Geschlossenheit einzigartig. Die rund 70 Stücke der Sammlung repräsentieren das ganze Spektrum der frühen Erzeugung: stempelgepresste und formgeblasene Produkte, die ersten "Spitzendeckchen"-Gläser der 1830er Jahre und die schlichten eleganten Formen der 1850er Jahre. Sie stehen für Formenvielfalt und Zeitgeschmack.

Alle Stücke sind Teile des so genannten "Fabriksprodukten-Kabinetts", einer Sammlung von Gewerbeprodukten. Diese wurde im Jahr 1807 von Kaiser Franz I. mit der Absicht ins Leben gerufen, sich einen Überblick über den Gewerbefleiß der Kronländer der Habsburgermonarchie zu verschaffen. Dem Aufruf des Kaisers, die jeweils neuesten Techniken und Moden anhand eingesandter Produkte zu demonstrieren, folgten auch die Glaserzeuger. Die zwischen 1830 und 1860 eingelangten Pressglasobjekte kamen sozusagen frisch gepresst ins Kabinett des Kaisers.
Doch was ist Pressglas? Pressglas ist immer an eine Form, einen Model, gebunden. Die Glasmasse wird entweder mit einem Stempel in die Form gepresst oder mit Luft in die Form geblasen. In der Regel trägt die Pressform ein Muster; der Stempel, der das Glas gegen die Wand der Form drückt, ist glatt. Ist die Pressform mehrteilig, hinterlässt sie nach dem Öffnen sichtbare Schönheitsfehler am Produkt: die Pressnähte. Die Erfindung der Handhebelpresse in den 1820er Jahren markiert den Anfang industrieller Massenproduktion von Glas. Die hier gezeigten Stücke sind davon noch weit entfernt.

Anhand der Inventarbücher des 19. Jahrhunderts lassen sich die verschlungenen Wege, auf denen die Objekte in die Sammlung gelangten, nahezu lückenlos nachverfolgen. Die Grundinventare verzeichnen für jedes Stück akribisch Herkunft und Eingangsdatum, jedoch nicht das Datum der Herstellung.

Jedes "gepresste Kabinettstück" hat eine eigene Geschichte; manchmal lässt sich diese auf eine ganze Objektgruppe übertragen. Diesen "Geschichten" wird im Rahmen von neun kleinen Erzählungen nachgegangen. 50 frühe Pressgläser werden unter den verschiedensten Aspekten näher vorgestellt: Pioniere und Nachahmer, Industriespionage und Technologie-Transfer, lokale Eigenheiten und regionale Beziehungen.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte unter nebenstehender e-mail-Adresse an die zuständige Kustodin, Dr. Mechthild Dubbi.

 
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Mechthild Dubbi
mechthild.dubbi@tmw.at

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