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Kaiser Franz I. ließ für sein "Fabriksprodukten-Kabinett" sammeln, Sohn und Kronprinz Ferdinand sammelte ebenfalls in einem eigenen Kabinett, und auch Tochter Leopoldine war - wenn auch eher indirekt - an den Gründungssammlungen der Wiener Museen beteiligt. Anlässlich ihrer Vermählung im Jahre 1817 mit dem portugiesischen Kronprinzen Dom Pedro, dem späteren Kaiser Pedro I. von Brasilien, fand eine naturhistorische Expedition statt, die letztendlich 18 Jahre dauern sollte. Die Schätze, in Brasilien zusammengetragen und nach Wien geschickt, waren so umfangreich, dass man vorübergehend ein eigenes "Brasilianisches Museum" einrichtete. Nach dessen Auflassung im Jahre 1836 wurden die Pressglas-Objekte dem "Fabriksprodukten-Kabinett" des Kaisers eingegliedert. Die restlichen Brasilien-Bestände bilden heute Teile der Gründungssammlungen des Naturhistorischen und des Völkerkundemuseums in Wien. Eine Frage muss jedoch offen bleiben: Wie kamen die Pressglas-Objekte von Boston ins "Brasilianische Museum" in Wien? Hier sind wir auf Vermutungen und Spekulationen angewiesen. Möglicherweise brachte ein Nordamerika-Reisender die in Europa bis dahin unbekannten mechanisch gepressten Gläser aus der "Neuen Welt" mit. Aufgrund ihrer amerikanischen Herkunft wurden sie dann vermutlich dem "Brasilianischen Museum" einverleibt, obwohl kein erkennbarer Zusammenhang zu Brasilien bestand. Von Vergleichsstücken anderer Museen wissen wir, dass die Gläser mit hoher Wahrscheinlichkeit in der "Boston and Sandwich Glass Company" erzeugt wurden. Datieren lassen sie sich für den Zeitraum zwischen 1825 (Beginn der Pressglaserzeugung in Boston) und 1836 (Auflassung des Brasilianischen Museums in Wien). Das besondere Merkmal dieser frühen Pressglasobjekte sind die unzähligen kleinen erhabenen Punkte des gekörnten Hintergrundes. Sie sollten mögliche Unebenheiten des Glases kaschieren. Vielfache Lichtbrechungen verleihen gleichzeitig der an sich stumpfen Oberfläche einen besonderen Glanz. "Stippled background" nennen die Amerikaner dieses Design, in Frankreich ist es als "Sablée" bekannt, zu Deutsch "Sandkorn"-Technik. In Kombination mit Mustern der Renaissancezeit entstanden so genannte "Lacy"-Gläser (lace = Spitze, Borte), die wie zarte Spitzengewebe anmuten. Unsere Beispiele aus der überreichen Design-Palette der frühen amerikanischen "Lacy"-Gläser tragen klingende Namen: "Princess Feather" (Abb. 1), "Roman Rosette" (Abb. 2, 3 und 4), "Eagle" (Abb. 5), "Scrolls" (Abb. 6), "Hairpin" (Abb. 7), "Tulips" (Abb. 8), "Heart" (Abb. 9) oder "Shell" (Abb. 10). Die ovale Deckelschale (Abb. 1) ist ein besonders seltenes Stück und gehört zu den Highlights unserer Sammlung. |
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