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Zwei "kaiserliche" Teller
Einige Stücke des kaiserlichen Fabriksprodukten-Kabinetts tragen rote Inventarnummern. Damit weisen sie sich als "kaiserliche" Objekte aus, die sich ursprünglich in der Privatsammlung des Kaisers befanden. Zwei identische gepresste Teller aus farblosem Glas befinden sich darunter (Abb. 33), die von "Demetr Pernici, Pinzolo, Tirol, 1839" dem Kaiser zugeeignet waren. Der Ursprung des Designs liegt in Baccarat oder St. Louis in Frankreich. Die in den Musterbüchern des Glashändlers Launay, Hautin & Cie. für 1830 und 1840 abgebildeten Teller zeigen Variationen des Musters: unterschiedliche Anzahl der Bögen, Wabendekor bzw. Blumenbukett im Spiegel des Tellers, jedoch immer Palmetten, Ranken und Sandkorngrund.

Wie kamen die Teller nach Tirol? Die Recherche zu diesen Objekten ergab eine Spur, die nach Carisolo in Italien führt. Für das Jahr 1836 ist ein Demetrio Pernici als Besitzer der Glasfabrik in Carisolo, nahe der Ortschaft Pinzolo, nachgewiesen. Die norditalienische Region Trentino-Südtirol, zu der die Orte zählen, gehörte von 1803 bis 1919 als Teil von Tirol zur Habsburgermonarchie. So folgte auch Pernici dem Aufruf seines Kaisers, Proben seines Gewerbefleißes in das Kabinett einzusenden. Ob die Teller tatsächlich in seiner Glasfabrik erzeugt wurden oder ob er sich auch als Glashändler betätigte, d.h. möglicherweise französische Produkte am heimischen Markt vertrieb, ist nicht eruierbar.

Ein interessanter Aspekt ist die Tatsache, dass die Glasmeister der 1804 in Carisolo gegründeten Glasfabrik aus Böhmen kamen. Technologie-Transfer der vielfältigsten Art: Traditionelles Böhmisches Handwerk und modernes französisches Pressglas-Knowhow hatten sich hier auf italienischem Boden offenbar zu etwas Neuem getroffen.

 
Abb. 33
Teller
farblos, gepresst
Demetrio Pernici, Pinzolo, Tirol, vor 1839

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