Feuerwehr-Sprachrohr, um 1900
Lange waren die in der Türmerstube des Stephansdoms verwendeten Sprachrohre von entscheidender Bedeutung für die Sicherheit der Stadt Wien. Ein Exemplar befindet sich heute im Technischen Museum Wien.
Als höchstes Gebäude beherbergte der Dom einst auch die Feuerwache der Stadt. Seit 1534 versah ein sogenannter Türmer in 72 Metern Höhe seinen Dienst. Bei Ausbruch eines Brandes schwenkte er eine rote Fahne bzw. eine rote Laterne in Richtung des Feuers. Mit einem blechernen Sprachrohr warnte er die Bevölkerung, indem er lautstark „Feuer!“ brüllte. Eine schriftliche Meldung wurde durch ein Fallrohr zum Turmmeister hinuntergeschickt, der die Feuerwehr mit Hilfe eines Glockenzugs alarmierte.
Ab Mitte des 19. Jahrhunderts hob sich das akustische Warnsignal nicht mehr deutlich genug vom zunehmenden Lärm im Zentrum der Stadt ab. Auch aus Gründen der schnelleren Nachrichtenübermittlung wurde daher 1855 zusätzlich eine direkte telegrafische Verbindung von der Türmerstube zur Zentral-Löschanstalt am Hof eingerichtet. Die Sprachrohre, unter ihnen das zweieinhalb Meter lange Exemplar des Technischen Museums, wurden fortan immer weniger genutzt. Anfang des 20. Jahrhunderts erschienen sie schließlich endgültig obsolet. Der Türmer vom Stephansdom versah noch bis Ende des Jahres 1955 seinen Dienst.
Inv.Nr. 11935