Neodym, Praseodym, Lutetium, Cer: Das klingt einerseits nach althumanistischer Bildung und steht andererseits für eine Gruppe sehr begehrter Bodenschätze: die „seltenen Erden“.
Ziemlich despektierlich: „Nönnchen“ nannte man diese birnenförmigen Apothekenflaschen in Anspielung auf den optischen Zusammenhang zwischen klösterlichen Fehltritten und „schwangerer“ Gefäßform.
Selten ein schöner Anblick, keine Freude zum Anfassen, oft von penetrantem Geruch. Dennoch: Hätte ohne die unscheinbaren Schmiermittel überhaupt eine industrielle Revolution stattfinden können?
„Die Seife ist ein Maaßstab für den Wohlstand und die Cultur der Staaten“ – diese Ansicht vertrat der deutsche Chemiker Justus von Liebig 1844 in seinen populären „Chemischen Briefen“.
Dieses Modell steht für den gewaltigen Aufschwung der Petrochemie im 20. Jahrhundert. Das Original war auf eine Kapazität von 350.000 Tonnen im Jahr ausgerichtet.
Reifen, Knüppel und Kondome aus dem „Holz, das weint“: Seit fast 200 Jahren spielt der Gummi bzw. der natürliche Werkstoff Kautschuk eine schwer wegzudenkende Rolle in Technik, Wirtschaft und Alltag.
Die im Dunkeln sieht man nicht: Die Herstellung von Phosphorzündhölzern hinterließ bei zahlreichen Beschäftigten verheerende Oberkieferschäden und verursachte heftige Schmerzen. Einige starben daran.
Gesammelt, beschriftet, untersucht: Gebannt auf kleine Glasplättchen wirken diese Staubproben aus vielen Gewerben harmlos. Nicht so in der Lunge.
Salopp formuliert: Stein„zeug“ ist eigentlich ein „Gut“, das wasserundurchlässig ist. Stein“gut“ dagegen ist eigentlich ein poröses „Zeug“, das eine Glasur benötigt. Und um die geht es im Folgenden.
Wer kennt ihn nicht, den Doppeladler? Häufig wird er mit der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie gleichgesetzt. Der Doppeladler ist jedoch keine Erfindung der Habsburger.
„Schwein gehabt“, wer in England um 1850 einen Fußwärmer der Marke Doulton & Watts sein Eigen nennen konnte. „Schwein“ nannte man im Volksmund bestimmte Wärmeflaschen aus Steingut, die „Feet Warmer“.
Selbstbildnis an der Töpferscheibe? Hat sich hier ein Töpfer oder eine Töpferin am Arbeitsplatz modelliert und sich damit in dem Werkstoff Ton verewigt? Die Plastik gibt Rätsel auf.
Fünf Jahre Arbeit und fast 10.000 Experimente stecken in der schönsten Erfindung des Keramikpioniers Josiah Wedgwood (1730-1795): der farbigen – bevorzugt blauen – Jasperware mit weißen Basisreliefs.
Sechs Generationen widmeten sich dem Handwerk der Glasgravur. Die letzte Meisterin der „Dynastie“ schloss 2010 ihr Wiener Geschäft - nach 46 Jahren. Damit wurde eine altgediente Maschine museumsreif.
„Kothgassergläser“ – Anton Kothgasser (1769-1851), seinerzeit bekanntester Wiener Transparentglasmaler, machte die kleinen Meisterwerke der Biedermeierzeit und begehrten Sammlerobjekte weltberühmt.
Für die Arbeit am Glasofen braucht es Teamgeist, Kraft, Geschick, Erfahrung und einen langen Atem. Nur so lässt sich das eigenwillige Material bezwingen und in die fragilsten Gebilde verwandeln.
Alle Schleifscheiben stehen still, wenn die Transmission es will! Dieses Motto galt vor der Erfindung des elektrischen Einzelantriebs, als „Maschinenparks“ noch zentral über Riemen angetrieben wurden.
Sein oder Schein, echt oder unecht, das ist hier die Frage. Nicht nur mit falschen Haaren oder Zähnen kann man sich schmücken, sondern auch mit falschem Geschmeide – zum Beispiel aus Glas.
Das Bild auf dem Schlägel zeigt seine Funktion: Ein Küfer benutzt ihn und einen Setzhammer zum Antreiben von Fassreifen. Auf der Rückseite ein Papst und ein Heiliger: Geht es hier um Messwein?
Ein Königskopf als Griff: Setzt der Handwerker den Hobel an, schließt er zwecks stabiler Führung seine Faust fest um Haupt und Hals des Monarchen. Ist das schon Majestätsbeleidigung?
Fast sechs Meter lang und über drei Meter hoch: ein Behemoth der Holzbearbeitung und ein wichtiges Sachzeugnis für den hohen Stand des Wiener Möbelbaus in der Biedermeierzeit.
Bücher sind aus Papier gemacht, Papier besteht irgendwie aus Holz. Wenn aber Holzmuster sich als Buch tarnen, ist das keine Biblio-thek, sondern eine Xylo-thek.
Werkzeuge aus mehreren Ländern, einträchtig vereint auf engem Raum. Sie stehen gleichermaßen für unterschiedliche Handwerkskulturen wie für abweichende Wege zur Industrialisierung.
Herrschende regieren, arbeiten aber nicht körperlich. Oder doch? Dieses Objekt könnte ein Gegenbeweis sein. Das Pech dabei: Seine Herkunft ist bis auf die Bezeichnung sehr unzulänglich dokumentiert.
Vorsicht, Falle! Diese „Handtasche“ hat die stolzen Maße 270 x 110 x 200 cm und – produziert Kunststoff. Es handelt sich um die Rückenansicht einer Spritzgussmaschine.
Wäsche abwaschen statt waschen? Der Kunststoff „Zelluloid“ machte es im späten 19. Jahrhundert möglich, feine und teure Leinenwäsche zu imitieren: jederzeit weiße Krägen, Manschetten und Hemdbrüste!
Knöpfe aus Milch? Ja! Als der vollsynthetische Kunststoff aus Erdöl noch nicht erfunden war, machte eine andere Erfindung Furore: der halbsynthetische Kunststoff aus Casein, einem Milchbaustein.
Rund 300.000 Lackschildläuse sind rund um die Uhr im Einsatz – für nur ein Kilogramm Schellack. Und das nicht nur für runde schwarze Scheiben, die Musik machen. Schellack kann noch viel mehr.
„Essen wie ein Scheunendrescher“ – die Redewendung verweist auf das anstrengende händische Dreschen oder auf die trichterförmige Öffnung einer Dreschmaschine, welche die Getreidegarben schluckte.
Massig, heiß, gefährlich: Dampfmaschinen sind die technischen Saurier der Industriellen Revolution. Bis heute finden Antriebsmaschinen, Lokomotiven und auch Pflüge unter Dampf ihre Liebhaber.
Der ungewöhnliche Pflug wird an einem Drahtseil zwischen zwei Dampfmaschinen hin- und hergezogen und jeweils am Wendepunkt gekippt, sodass die Pflugscharen jeweils in die passende Richtung zeigen.
Scharfe Schneiden, „schwarze Grafen“ – die Herstellung von Mähwerkzeugen machte die einen reich und die anderen taub. Denn die lautstarken Sensenhämmer verursachten anhaltende Gehörschäden.
Der Traktor ist die Universalmaschine in der Landwirtschaft und eine Ikone der agrarischen Modernisierung im 20. Jahrhundert. Die ersten Traktoren wurden in den USA hergestellt.
Mechanische Ersatzglieder als Konsequenz des Maschinenkriegs: Von 1914 bis 1918 wurden Prothesen auch in Ausstellungen gezeigt. Ihre Fertigung erforderte die Zusammenarbeit qualifizierter Fachleute.
Formschön und vorindustriell: Dieses altertümliche Gerät wurde noch von einem Gehilfen in Bewegung versetzt. Es ist mit Ausnahme weniger Teile ganz aus Holz gefertigt.
Ein Mittelding zwischen Werkzeug und Maschine, eine Freude zum Betrachten: Wer möchte angesichts dieses Geräts behaupten, dass Schönheit und Funktionalität einander ausschließen?
Flugzeuge, Autos, Schiffe, Brücken, Maschinen und Geräte: Heute werden riesige Flächen gewalzten Blechs erzeugt. Unbehandelt oder beschichtet und in vielerlei Gestalt formt es unsere Lebenswelt mit.
Eines der nüchternsten Modelle des Technischen Museums Wien, hergestellt vom Modellatelier der VÖEST. Mit der Originalanlage sollten jährlich 210.000 Tonnen Stahlblech verzinkt werden.
Eine sagenhaft alte Waffe? Ein Schwert für einen japanischen Samurai, gefertigt in der Provinz Soshin, angeblich 800 Jahre alt. Sein Hersteller ist bisher unbekannt, die Datierung nicht sicher geklärt.
Schlüssel für Kammerherren, Witwer und Särge, Amulettschlösser zur Abwehr des Bösen: Vorrichtungen zum Schließen weisen gleichermaßen eine nüchterne technische Seite wie eine ausgeprägte Symbolik auf.
Technische Neuerungen brachten den „schönsten Spross des Eisenhüttenwesens“ hervor: den künstlerischen Eisenguss. Seine Blütezeit war die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts. Da boomte er geradezu.
Unglaublich! Das beeindruckende Modell im Maßstab 1:12 (ca. 5,6 x 1,9 x 1,5 m) wurde 1906/07 von den Bediensteten der Wiener Molkerei angefertigt – als Miniatur ihrer 1901 entstandenen Arbeitsstätte.
Ob geschnupft, geraucht oder gekaut: Tabak befriedigt die unterschiedlichsten Bedürfnisse. Mit dem Ende des 19. Jahrhunderts trat die raschlebige Zigarette ihren Siegeszug an.
Mmmh, da läuft einem das Wasser im Mund zusammen: Krapfen, Kipferln, Guglhupf, Cremeschnitten, Schokoladentorte, Nussbeugel, Mohnkuchen, Konfekt – das alles kann der Zuckerbäcker. Und noch viel mehr.
Das Sudhaus ist das Herz einer jeden Brauerei. Hier wird das Bier zwar noch nicht zum Bier, doch es erhält seine zur Vergärung notwendige Würze. Hopfen und Malz sind hier nicht verloren. Im Gegenteil.
Mehr als 50 unterschiedliche Reissorten in der Warenkunde-Sammlung des Technischen Museums Wien dokumentieren den Stellenwert und die Vielfalt eines der wichtigsten Grundnahrungsmittel der Welt.
Mit der Entdeckung Amerikas fand der Tabak Eingang in Europa. Immer wieder bekämpft und ob seiner Wirkungen verurteilt, gelangte er doch zu weiter Verbreitung.
Woher hat die „Kaisersemmel“ ihren Namen? Von einem Wiener Bäcker namens Kayser? Oder als allerhöchste Auszeichnung für das Beste vom Besten? Oder vom italienischen „alla casa“ (nach Art des Hauses)?
Anfang der 1840er-Jahre im mährischen Datschitz (Dačice): Juliana Rad verletzte sich beim Zuckerbrechen. Ein an sich nicht außergewöhnlicher Unfall gilt als die Geburtsstunde des Würfelzuckers.
Papier beschreiben, zuschneiden, zerreißen – ja. Aber darauf herumhämmern? Händisch geschöpftes Papier wies oftmals Unebenheiten auf. Sie mussten mit verschiedenen Mitteln beseitigt werden.
Ein Wasserantrieb zum Stampfen der Grundstoffe, eine Bütte zum Papierschöpfen, eine Presse zum Entwässern – die Grundlagen vorindustrieller Papierherstellung. So anschaulich kann Technik sein.
Grelle Farben, krasse Muster: Das soll braves Biedermeier sein? Papiere und Tapeten von Spörlin & Rahn belegen die Experimentierfreude vieler Hersteller von Waren für das traute Heim.
Papier aus alten Hadern ist über Jahrhunderte haltbar. Meist finden Muster schönerer Sorten ihren Weg ins Museum, einfaches Packpapier eher selten. Enthält dieses Papier ungewöhnliche Substanzen?
Torffasern, Tannenzapfen, Weinreben, Brennesseln: Die Bandbreite möglicher Rohstoffe für die Papiererzeugung ist groß. Vieles wurde im Lauf der Zeit ausprobiert und dann wieder verworfen.
Dieses Sieb zum Handschöpfen für Papier stand angeblich bis zum Jahr 1904 in Verwendung. Das Wasserzeichen bildete sich als Qualitätsmerkmal des Herstellers in den geschöpften Blättern ab.
Ein typisch österreichischer Erfinder und sein Schicksal: arm und begabt, unbeachtet oder ungerecht behandelt, dennoch zäh im Bemühen, schließlich ohne Aufsehen begraben und nach dem Tod vergessen.
Die industrialisierte Arbeitswelt birgt eine Reihe neuer Gefahren: Dampfkessel explodieren, Säuren zerfressen Körper, Treibriemen reißen Gliedmaßen ab. Auch kleinere Unannehmlichkeiten fordern Tribut.
Zylinder, Baskenmütze, Schleier – Kopfbedeckungen rufen Assoziationen und Emotionen wach. Sie stehen für Mentalität und Wirtschaftsweise, Kultur und Religion, Uniformität und Vielfalt.
„Im düstern Auge keine Thräne, / sie sitzen am Webstuhl und fletschen die Zähne“ – so drastisch schilderte Heinrich Heine im Jahr 1844 die elende Lage der Handweber in Schlesien.
Über den Erfinder der Maschine ist nur wenig bekannt. Dr. Maurus Banyai fungierte als Obmann einer Synagoge im 13. Wiener Gemeindebezirk, die 1938 im Novemberpogrom niedergebrannt wurde.
In Schönheit sterben: Seidenraupen erzeugen in ihrem Maul den begehrten Stoff und verpuppen sich darin. Vor dem Schlüpfen werden sie in diesen Kokons mittels heißem Wasser oder Wasserdampf getötet.
Imponieren oder tarnen? Lange Zeit wurden Soldaten in bunte Uniformen gesteckt. Erst Ende des 19. Jahrhunderts erfolgte allmählich ein Übergang zum „Feldgrau“ oder „Khaki“.
Samoware, Juchtenstiefel, Ostereier im Fabergé-Stil: Die meisten von uns wissen nur wenig über die historische russische Produktwelt. Dies gilt auch für edle und „typische“ Textilien.
Der junge Nachbau einer alten Maschine, erfunden im Mutterland der industriellen Revolution. 1788 standen rund 20.000 solcher „Jennies“ in englischen und schottischen Häusern.
Manches Möbel ist dem Wandel der Arbeit seit der Industrialisierung zum Opfer gefallen, wie das Stehpult zum Schreiben und Rechnen oder der Rösselstuhl für gewerbliche Verrichtungen.
Montag – Freitag: 09:00 – 18:00 UhrSa, So, feiertags: 10:00 – 18:00 Uhr
Schließtage: 1. Jän. / 1. Mai / 1. Nov. / 25. und 31. Dez.