Schnupftabak-Flacons, Anfang 20. Jh.

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© Technisches Museum Wien, Foto: Peter Sedlaczek
Sammlungsbereich
Produktionstechnik
Sammlungsgruppe
Nahrungs- und Genussmittel
Epoche
1900 - 1909
Dieses Objekt ist derzeit im Museum nicht ausgestellt.
Mit der Entdeckung Amerikas fand der Tabak Eingang in Europa. Immer wieder bekämpft und ob seiner Wirkungen verurteilt, gelangte er doch zu weiter Verbreitung.

Seit Ende des 16. Jahrhunderts verbreitete sich das nikotinhaltige Genussmittel allmählich auch in China. Unter Angehörigen der Oberschicht kam Schnupftabak in Mode, daran waren offenbar Missionare beteiligt. Wo immer er seine Wirkung über die Schleimhäute antrat, wurde Schnupftabak mit anderen Ingredienzen vermischt. Im Reich der Mitte wurden ihm Moschus, Kampfer, Jasmin, Minze oder andere Kräuter beigefügt. Er galt als anregend und gesundheitsfördernd.

Wegen dieser angeblichen Eigenschaften bewahrten die chinesischen Konsumenten ihren Schnupftabak in Flaschen auf, dem üblichen Behältnis für medizinische Produkte. In Europa wurde er hingegen in Dosen verpackt. Viele chinesische Schnupftabakfläschchen wurden aufwendig gefertigt: Sie wurden geschnitzt, durch die kleine Halsöffnung von innen bemalt oder mit Kalligrafien versehen. Kaiser und hohe Beamte besaßen ganze Kollektionen solcher wertvoller Behältnisse, sie galten als beliebte Geschenke in vornehmen Kreisen. Einen Höhepunkt erreichte ihre Wertschätzung während der Herrschaft des Kaisers Qianlong (Regierungszeit 1735-1796). Seit damals wurden die Fläschchen auch nach Europa exportiert und hier als Zeugnisse chinesischer Handwerkskunst angesehen.

Die Fläschen des Technischen Museums Wien sind für bescheidenere Ansprüche vorgesehen. Aus farbigem Glas gefertigt, wirken sie schmucklos und etwas bäuerlich. Sie wurden in Chefoo (heute Yantai in der Provinz Shandong) gefertigt. Diese Hafenstadt mit ihrer exponierten Lage am Gelben Meer stand damals unter dem Einfluss europäischer Kolonialmächte, unter anderem Deutschlands. Seit 1880 beherbergte sie auch eine protestantische Missionsschule.


Entstehungszeit: Anfang 20. Jh.

Herstellungsort: Chefoo (China)

Inv.Nr. 72559

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