• FA-112914 © Technisches Museum Wien, Foto: Peter Sedlaczek
Sammlungsbereich
Produktionstechnik
Sammlungsgruppe
Chemische Produktionstechnik
Epoche
vor 1800
Dieses Objekt ist derzeit im Museum nicht ausgestellt.

Das „Nönnchen“, Apothekenflasche, 1700-1750

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Ziemlich despektierlich: „Nönnchen“ nannte man diese birnenförmigen Apothekenflaschen in Anspielung auf den optischen Zusammenhang zwischen klösterlichen Fehltritten und „schwangerer“ Gefäßform.

„Nönnchen“ wurden in erster Linie zur Aufbewahrung ätherischer Öle und spirituöser Zubereitungen verwendet. Das Stück aus der Sammlung des Technischen Museums Wien trägt die Aufschrift: Ess: Card: Benedict: (Essentia Cardui benedicti, Cardobenedikten-Essenz, Benediktenkraut-Essenz). Es entstand in Deutschland, wo es die Apotheken-Glasgefäße ganz besonders bunt trieben. So farbenfroh wie in den deutschen Offizinen (Apotheken-Verkaufsräumen) ging es sonst nirgendwo zu. Nirgends erzeugte man eine solche Fülle leuchtender Emailmalereien, auch Schmelzmalerei genannt, wie in den Glashütten in Thüringen und Sachsen.

Als führender Werkstoff für Apothekengefäße erhielt die Keramik seit dem 17. Jahrhundert zunehmend Konkurrenz durch den Werkstoff Glas. Glas bot hervorragende Eigenschaften: es ist säurebeständig, dicht und durchsichtig. Im Laufe der Zeit bildeten sich typische Gefäßformen heraus, wie sie für den Gebrauch in Apotheken zweckmäßig erschienen: Glasflaschen mit engem Hals waren für Essenzen, Tinkturen, Wässer, Elixiere, Öle und andere Flüssigkeiten bestimmt. Die Weithals-Glasgefäße nahmen feste, dickflüssige oder pulverige Substanzen auf.

Die leuchtenden Dekors sind nicht nur schön anzuschauen. Die Emailmalerei, bei der Metalloxide im Ofen auf die Oberfläche eingebrannt werden, ist auch sehr widerstandsfähig. Die Aufschrift der Gefäße wird durch schwarze Lettern deutlich hervorgehoben. Der Dekor entwickelt sich um das Beschriftungsfeld herum. Die Emailglasmaler waren stets an Glashütten gebunden, da sie zum Einbrennen der Farben die Öfen der Glashütten mitbenützten. Ungebunden waren dagegen die Glasmaler der Kaltmalerei, die mit einfachen Ölfarben auf kaltem Wege arbeiteten. Eine Malerei von weit geringerer Haltbarkeit, wie entsprechende Stücke der Sammlung beweisen.

Herkunft: Deutschland
Entstehungszeit: 1. Hälfte 18. Jh.



Inv.Nr. 11322/554
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