Doppelsitziges Dreirad Coventry Machinists, ca. 1890

Bild
 © Technisches Museum Wien, Foto: Peter Sedlaczek
Sammlungsbereich
Verkehr
Sammlungsgruppe
Straßenverkehr
Ausstellung
Mobilität
Epoche
1850 - 1899
Dieses doppelsitzige Dreirad wurde augenzwinkernd als „Heiratsvermittler“ empfohlen. Das Fahren auf dem Dreirad war leicht zu erlernen und im Gegensatz zum Hochrad auch für Frauen möglich.

In einer Zeit, in der das Miteinander von Männern und Frauen streng beaufsichtigt war, boten dreirädrige Tandems die Möglichkeit für einen ungestörten Ausflug zu zweit. Es entsprach den damaligen Konventionen, dass der vordere Sitz der Dame vorbehalten war. Auf diese Weise brauchte sie nicht den Rücken ihres männlichen Begleiters bewundern und konnte ungehindert die Natur genießen. Gleichzeitig hatte diese Anordnung den Effekt, dass der Mann „seine“ Frau der Umgebung präsentieren konnte. Das Radfahren zu zweit knüpfte an das bürgerliche Promenieren im Stadtpark an: Sehen und gesehen werden auf der modischen, neuen Maschine.

Das doppelsitzige Dreirad von Coventry Machinists war entsprechend konstruiert. Der vordere Rahmen war niedrig gehalten, damit sich die Frauen in den damals üblichen langen Röcken leicht auf den Sattel setzen konnten. Zum Schutz der Kleidung war die vordere Antriebskette ursprünglich verdeckt.

Technische Lösungen und soziale Konventionen ließen sich jedoch nicht ganz in Einklang bringen: Technisch war es sinnvoll, die Steuerung vorne zu belassen. De facto bedeutete dies, dass die Männer den Frauen das Lenken überlassen mussten. Da gingen die Konstrukteure von Coventry Machinists lieber auf Nummer sicher: Seitlich führte eine Stange vom vorderen Lenker zum hinteren und ermöglichte das Mitlenken. In der Praxis ergaben sich neue Probleme: Wenn Dame und Herr in die jeweils entgegengesetzte Richtung steuerten, blockierten sie sich gegenseitig.

Die doppelsitzigen Dreiräder waren nicht nur teuer, sie waren auch massig und schwerfällig. Gegenüber der wachsenden Konkurrenz der sogenannten „Niederräder“ waren sie schnell unterlegen. Auf diesen leichten und wendigen Maschinen fuhren Männer und Frauen ab den 1890er-Jahren getrennt und gemeinsam auf Radtour.


Inv.Nr. 556

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