• FA-123545 © Technisches Museum Wien, Foto: Peter Sedlaczek
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Musikinstrumente
Ausstellung
Musikinstrumente
Epoche
1800 - 1849

Giraffenflügel

Ein „aufgestelltes“ Hammerklavier – platzsparend, elegant und der Mode entsprechend „á la giraffe“.

In der Biedermeierzeit, zwischen dem Wiener Kongress von 1815 und der Märzrevolution 1848, wurde die bürgerliche Familie zu einem wichtigen Träger der Musiktradition. Der bürgerliche Salon war allerdings kleiner als aristokratische Festsäle. Deshalb wurden platzsparende Klaviere entwickelt, wie z. B. das Tafelklavier, dessen Klaviatur parallel zu den Saiten angeordnet ist, oder Klaviere, bei denen das Gehäuse gleichsam nach oben geklappt ist.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden solche Instrumente vor allem in Wien in vielen Formen gebaut. Als Blickfang im bürgerlichen Salon war der sogenannte „Giraffenflügel“ besonders beliebt. Sein Umriss erinnert an den Hals einer Giraffe. Der Vizekönig von Ägypten hatte Ende der 1820er-Jahre dem Wiener Tiergarten eine Giraffe spendiert. Diese Sensation wirkte sich in viele gesellschaftliche Bereiche aus. Alles musste plötzlich „á la giraffe“ sein: Mode, Frisuren, Aschenbecher, Trinkgefäße. Sogar ein eigenes Gebäck, die „Giraffeln“, wurden erfunden. Man spielte das Giraffenklavier und tanzte den Giraffen-Galopp.

Das ausgestellte Instrument aus den Sammlungen des Technischen Museums Wien verfügte ursprünglich über sechs Pedale, die nur noch in Teilen vorhanden sind. Eines davon bediente den „Janitscharenzug“, bei dem Glöckchen erklangen und der Resonanzboden durch einen Schlegel in Schwingung versetzt wurde. Dabei entstand ein Klang mit türkischem Kolorit, ähnlich der Triangel und der großen Trommel. Die anderen Pedale bedienten Verschiebung, Pianissimo, Piano, Fagott und Dämpferaufhebung.

Hersteller: Joannes van Raay & Zonen, Amsterdam
Entstehungszeit: ca. 1835



Inv.Nr. 13733
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