• FA-113467 © Technisches Museum Wien, Foto: Peter Sedlaczek
  • FA-113470 © Technisches Museum Wien, Foto: Peter Sedlaczek
Sammlungsbereich
Produktionstechnik
Sammlungsgruppe
Glas und Keramik
Epoche
1800 - 1849
Dieses Objekt ist derzeit im Museum nicht ausgestellt.

Kothgasser-Ranftbecher, Wien, 1839

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„Kothgassergläser“ – Anton Kothgasser (1769-1851), seinerzeit bekanntester Wiener Transparentglasmaler, machte die kleinen Meisterwerke der Biedermeierzeit und begehrten Sammlerobjekte weltberühmt.

Die sogenannten Ranftbecher sind „taillierte“ Trinkbecher mit gekerbtem Fußwulst (Ranft) und eingeschliffenem Bodenstern. Sie waren vor allem in Wien als Kunstgläser und mit Widmungen versehene Freundschaftsbecher sehr beliebt und nicht zum Gebrauch bestimmt. Da nur wenige Gläser signiert sind, wurde die Bezeichnung „Kothgasserglas“ im Laufe der Zeit zu einem Gattungsbegriff.

Die Faszination der „Kothgassergläser“ beruht auf der Leuchtkraft der Transparentfarben. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstand die Idee, transluzide farbige Gläser zu schaffen, d. h. Gläser mit durchscheinenden Farben zu bemalen. Diese Farben wurden dann im Brennofen nur wenig eingebrannt, wodurch sie ihre eigentliche Leuchtkraft erhielten. Die Farben erscheinen wie in den Glaskörper eingeschmolzen. Die Technik des Einbrennens von Farben ist auch in der Porzellanmalerei bekannt. Kothgasser selbst hatte als Golddessinmaler Nr. 96 bei der Wiener Porzellanmanufaktur gearbeitet. Nun entwickelte er für die Glasmalerei eine von ihm als Dunstgelb bezeichnete Färbung von Flächen, die er mittels Silbergelbätzung erzeugte. Diese Flächen sind reich mit Bordüren und anderen Golddekorationen versehen.

Die Bildinhalte der „Kothgassergläser“ sind vielfältig: Neben Landschaften, Stadtansichten, Blumen, Spielkarten, Jagd- und Tiermotiven finden sich auch Allegorien. Der Becher des Technischen Museums Wien trägt im unteren Bereich folgende Inschrift: „Heil König Ferdinand! ruft Ungarns Genius Er bringet Segnend ihm des Reiches Jubelgruss.“ Er entstand zur ungarischen Königskrönung des österreichischen Kaisers Ferdinand I. im Jahre 1839. Das „F“ erscheint wie in einer Monstranz. Solch pathetisch-monumentale Bildinhalte finden sich bei Kothgasser eher selten. Der „Genius“-Becher erhält dadurch seine besondere Bedeutung. 

Hersteller: Werkstätte Anton Kothgasser, Wien
Entstehungszeit: 1839

Inv.Nr. 11779
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