Modell des Steirischen Erzbergs, 1915

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 © Technisches Museum Wien, Foto: Peter Sedlaczek

Das von der Österreichisch-Alpine Montangesellschaft (ÖAMG) gestiftete Modell zeigt den Überformungs- und Bebauungszustand des Steirischen Erzbergs von 1913. Die Hinweise für die Auffindung dieser bedeutendsten Eisenerzlagerstätte der Alpen reichen bis ins achte Jahrhundert nach Christus zurück. Der Wirtschaftsraum des Steirischen Erzbergs war seit dem 14. Jahrhundert in das Gebiet nördlich und südlich des Präbichls getrennt; auch der Erzberg selbst wurde durch die „Ebenhöhe“ in das obere Vordernberger und das untere Innerberger (= Eisenerzer) Revier geteilt.

Die wirtschaftlichen Probleme des ausgehenden 16. und beginnenden 17. Jahrhunderts führten im Jahre 1625 zum Zusammenschluss der drei Glieder des Innerberger Eisenwesens – der Radwerke, der Hammerwerke und der Eisenverleger – zur Innerberger Hauptgewerkschaft. Die gemeinschaftliche Betriebsführung am Innerberger Erzberg brachte eine Reduktion der Schmelzöfen und die Errichtung eines leistungsfähigeren Transportsystems mit sich. Im Vordernberger Revier hingegen war die Erzabförderung über den Präbichl schwierig und durch die erhebliche Anzahl ungeordneter, einzelbetriebener Grubenfelder bis Anfang des 19. Jahrhunderts uneffizient. Im genossenschaftlichen Vertrag von 1829 kam es daher zum wirtschaftlichen Zusammenschluss der Vordernberger Radmeister und zur Errichtung eines gemeinsamen Förderbahnsystems durch Johann Dulnig. Erst 1891 sollte dieses durch die neue normalspurige Zahnradbahn abgelöst und eine durchgehende, für den Massentransport taugliche Verbindung zwischen Eisenerz und Vordernberg hergestellt werden.

Der Vormarsch des internationalen Koksroheisens brachte die lokale Holzkohleneisenerzeugung immer mehr in Bedrängnis, worauf 1881 sechs der wesentlichsten eisen- und stahlerzeugenden Gesellschaften der Monarchie zur Österreichisch-Alpine Montangesellschaft vereinigt wurden.
Im Modell sind die Betriebseinrichtungen des Industrieviertels wie der große Bremsberg, das zwischen 1909 und 1911 am unteren Teil des Gloriette-Rückens errichtete neue Erzreservoir und die aus den 1830er Jahren stammende Sybold-Erzhalde zu erkennen. Die sechs Röstöfen-Batterien sind über die verzweigte Erzbachüberbrückung mit dem am Westhang des Krumpentals geführten Huntslauf verbunden. Der Verlauf der Erzbergbahn ist vom Schichtturmtunnel in Eisenerz über den gesamten Hintererzberg bis schließlich zum Ostportal des Plattentunnels auf der Feistawiese detailliert nachgebildet.

Heute produziert die VA Erzberg GmbH mit rund 210 Mitarbeitern ca. 3 Mio. Tonnen Versanderz pro Jahr, das mit 6-7 Zügen täglich zu den Hütten Donawitz und Linz geliefert wird. Die umfassende Modernisierung des Abbaubetriebs vor dem Hintergrund einer deutlichen Marktpreissteigerung in den letzten eineinhalb Jahrzehnten macht das Steirische Feinerz zum konkurrenzfähigsten Ausgangsprodukt für heimische Stahlerzeugnisse. Darüber hinaus beschäftigt die VA-Erzberg MitarbeiterInnen im Rahmen von „Nichterzaktivitäten“, v.a. in der Montantechnik und im Tourismus. Außerhalb des Abbaubereiches errichtet die Montanuniversität Leoben derzeit ein Tunnel-Forschungszentrum, das 2019 in Betrieb gehen wird.



Inv.Nr. 9705

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