• FA-116546 © Technisches Museum Wien, Foto: Peter Sedlaczek
Sammlungsbereich
Produktionstechnik
Sammlungsgruppe
Chemische Produktionstechnik
Ausstellung
IN ARBEIT
Epoche
1850 - 1899

Schaukasten: Kieferteile mit Phosphornekrose, um 1895

Die im Dunkeln sieht man nicht: Die Herstellung von Phosphorzündhölzern hinterließ bei zahlreichen Beschäftigten verheerende Oberkieferschäden und verursachte heftige Schmerzen. Einige starben daran.

Die Kieferteile im Technischen Museum Wien stammen aus der Sammlung des Arbeitsmediziners Dr. Eugen Lewy. Charakter und Auswirkungen der Phosphornekrose werden in einem Text auf dem Objekt anschaulich beschrieben:

„Eine eigenthümliche Erkrankung der Knochen wird in Phosphor-Zündholzfabriken bei den mit der Herstellung der Zündmasse und mit dem Eintauchen (Tunken) der Hölzer in dieselbe beschäftigten Arbeitern beobachtet. Dieselben werden zuerst zeitweise, dann fortwährend von Zahnschmerzen belästigt. Bei längerer Einwirkung des Phosphors verbreitet sich der Schmerz von den Zähnen aus auf den Ober- und Unterkiefer, ja mitunter über das ganze Gesicht und die angrenzenden Hautpartien. Die Zähne werden locker und fallen endlich aus. Am Zahnfleisch bilden sich Abscesse und die untersuchende Sonde des Arztes stösst, wenn sie durch die Abscessöffnungen eingeführt wird, auf rauhe Stellen, die darauf hinweisen, dass der Knochen vom Beinfrasse ergriffen, abzusterben beginnt.

In derselben Weise, wie die Kieferknochen, erkranken unter dem Einflusse des Phosphors auch die Gaumenbeine, die Nasenmuscheln und die Jochbeine. Beim weiteren Fortschreiten der Erkrankung löst sich die Beinhaut von der Oberfläche der Knochen ab und die Gaumen- und Jochbeine wie auch die Nasenmuscheln sterben ab und können durch die Abscessöffnungen entfernt werden. Am Ober- und Unterkiefer treten aber früher anderweitige Veränderungen ein. Sie bedecken sich mit lockeren, porösen Auflagerungen (Knochenneubildungen) und nehmen durch Verdickung ihrer Substanz an Grösse und Gewicht erheblich zu, bis sie endlich in einzelnen Partien oder vollständig absterben und nun als fremde Körper in der von der Beinhaut gebildeten Knochenlade liegen.“


Entstehungszeit: um 1895

Inv.Nr. 34379
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