• FA-123741 © Technisches Museum Wien, Foto: Peter Sedlaczek
Sammlungsbereich
Produktionstechnik
Sammlungsgruppe
Glas und Keramik
Epoche
1800 - 1849
Dieses Objekt ist derzeit im Museum nicht ausgestellt.

Zuckerhutform, Steingut, 1845

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Zuckerhüte sind uns heute entweder als Berge (Rio de Janeiro, Brasilien) oder von der Bereitung der „Feuerzangenbowle“ her bekannt, wo sie brennend und tropfend ein spektakuläres Schauspiel bieten.

Zur Zeit, als das Stück des Technischen Museums Wien im Einsatz war, wurde Zucker noch sehr aufwendig, in vielen Arbeitsschritten von Hand raffiniert und in kegelförmigen Keramikgefäßen erzeugt. Rohrzucker (aus Zuckerrohr) war so wertvoll, dass in besseren Kreisen neben Tee auch Zuckerwasser getrunken wurde, für die es eigene Services gab. Der Rübenzucker begann erst gegen Mitte des 19. Jahrhunderts seinen Siegeszug anzutreten.

Unsere Zuckerhutform stammt von der dritten allgemeinen österreichischen Gewerbe-Ausstellung in Wien im Jahr 1845. Die Steingutfabrik Friedrich Wolf u. Comp. aus dem nördlich von Lemberg in Galizien gelegenen Glinsko (damals Teil der Habsburgermonarchie, heute Ukraine) zeigte dort eine „Form samt Topf für Zucker-Raffinerien“.

Die keramischen Zuckerhutformen haben an der Spitze des Kegels runde Öffnungen. Beim Einfüllen und ständigen Umrühren der dickflüssigen Zuckermasse waren die Löcher der auf den Kopf gestellten Formen mit Pfropfen verschlossen. Schließlich wurden die Pfropfen herausgezogen, so dass der Sirup abfließen und der Zucker trocknen konnte. Zurück blieb eine sehr harte Zuckermasse in Form eines kegeligen Hutes, der Zuckerhut. Zu jeder Zuckerhutform gehörte früher auch ein Topf, in dem der abfließende Sirup aufgefangen wurde. Auch unser Museumsstück war auf der Gewerbe-Ausstellung 1845 noch mit diesem Topf zu sehen, der jedoch nicht erhalten geblieben ist.

Der Zuckerhut war das ganze 19. Jahrhundert hindurch die gebräuchlichste Handelsform des süßen Stoffes. Jedoch konnte er aufgrund seiner enormen Härte nur mit Zuckerbrechern, -zangen oder -schabern zerkleinert werden. Dass sich bei dieser Prozedur die Ehefrau eines Zuckerproduzenten verletzte, hat angeblich zur Erfindung des Würfelzuckers geführt. Doch das ist eine andere Geschichte. 

Hersteller: Steingutfabrik Friedrich Wolf u. Comp., Glinsko, Galizien (heute Ukraine)
Entstehungszeit: 1845

Inv.Nr. 26485
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