Entzug und Restitution von Kraftfahrzeugen
Aspekte zur Verkehrsgeschichte Österreichs 1930 - 1955
Ein Forschungsprojekt des Technischen Museums leistet Grundlagenforschung zur Verkehrsgeschichte Österreichs im 20. Jahrhundert. Es analysiert den Entzug von Kraftfahrzeugen während der NS-Herrschaft.
Im Jahr 2008 konnte das Technische Museum Wien im Zuge der Provenienzforschung einen Fiat 522C mit Baujahr 1931 an den Sohn der ursprünglichen Besitzerin zurückgeben. In der NS-Zeit war er der jüdischen Kauffrau Rosa Glückselig geraubt worden. Dieser Fall wurde zur Grundlage eines Forschungsprojekts, das systematisch den Vorgang des Entzugs von Kraftfahrzeugen durch das NS-Regime und deren Restitution nach 1945 untersucht. Eine zentrale Aufgabe ist die Erstellung einer Datenbank der österreichischen KraftfahrzeugeigentümerInnen der 1930er-Jahre. Basis für diese Datenbank bilden Kraftfahrzeugsverzeichnisse, die von den Automobilklubs der Bundesländer vor 1938 regelmäßig herausgegebenen wurden. Für heutige Begriffe enthalten sie sehr umfassende Angaben zu den Kraftfahrzeugen und deren EigentümerInnen.
Diese Daten werden analysiert und mit einschlägigem Quellenmaterial verschränkt, um Antworten auf folgende Fragen zu finden: Wie viele Kraftfahrzeuge wurden in Österreich nach 1938 entzogen? Welche Bevölkerungsgruppen waren vom Entzug betroffen? Wer waren die Nutznießer des Entzugs? Kam es zu Rückstellungen nach 1945? Allgemeine Erkenntnisse zur Verkehrsgeschichte Österreichs, die aus der elektronischen Erschließung von Quellen und Daten zum Kraftfahrzeugeigentum in Österreich gewonnen werden können, werden ebenso interessant sein. Hier betreffen die zentralen Fragen den regionalen und überregionalen Motorisierungsgrad im zeitlichen Vergleich, das soziale Profil der BesitzerInnen, das Geschlechterverhältnis oder die Markenwahl.
Kooperationspartner:
Israelitische Kultusgemeinde Wien, Abteilung Restitution
www.ikg-wien.at
Deutsches Museum München
www.deutsches-museum.de