Wer kennt es nicht? Man öffnet im Sommer den Kleiderschrank und plötzlich flattert eine Kleidermotte (Tineola bisselliella) heraus. Leider werden selbst Museen und ihre Depots von diesen und anderen kleinen, aber beharrlichen Schädlingen nicht verschont.
Text: Andrea Bliem, Bettina Sánchez Romero, Wioletta Tenczar
Denn Motten sind immer und überall …
Di 16. Juni 2026
Staub als Lebensraum
Staub – für viele Insekten ist er ein wahres Paradies. Er enthält winzige organische Partikel, Hautschuppen und andere Rückstände, die ihnen als Nahrung dienen. Die feine Struktur des Staubes bietet gleichzeitig Schutz vor Licht und Luftbewegung, sodass sich die kleinen Tiere darin sicher fühlen. Hinzu kommt, dass Staub Feuchtigkeit bindet, was für das Überleben vieler Arten entscheidend ist. Im Staub finden viele Insekten einen idealen Lebensraum: Nahrung, Unterschlupf und ein Mikroklima, in dem sie sich wohlfühlen. Deshalb ist es wichtig, wachsam zu bleiben, da Schädlinge in bestimmten Entwicklungsstadien eine große Gefahr für Kulturgüter im Museum darstellen.
Notbremse bei Mottenbefall
Zur Vermeidung von Schädlingsbefall werden gezielt Bedingungen geschaffen, die für Insekten möglichst unattraktiv sind: Dazu zählen ein hohes Maß an Sauberkeit, kontrollierte Luftfeuchtigkeit und niedrige Temperaturen. Durch diese drei Maßnahmen wird die Lebensgrundlage von Insekten deutlich eingeschränkt.
Während früher oft vorbeugend und in großen Mengen Insektizide verwendet wurden, die auch für den Menschen giftig waren und mit deren Folgen für Umwelt und Gesundheit man sich heute befassen muss, setzt man seit einigen Jahren auf Prävention sowie nachhaltige und umweltfreundliche Strategien der Ungezieferbekämpfung.
Staub – für viele Insekten ist er ein wahres Paradies. Er enthält winzige organische Partikel, Hautschuppen und andere Rückstände, die ihnen als Nahrung dienen. Die feine Struktur des Staubes bietet gleichzeitig Schutz vor Licht und Luftbewegung, sodass sich die kleinen Tiere darin sicher fühlen. Hinzu kommt, dass Staub Feuchtigkeit bindet, was für das Überleben vieler Arten entscheidend ist. Im Staub finden viele Insekten einen idealen Lebensraum: Nahrung, Unterschlupf und ein Mikroklima, in dem sie sich wohlfühlen. Deshalb ist es wichtig, wachsam zu bleiben, da Schädlinge in bestimmten Entwicklungsstadien eine große Gefahr für Kulturgüter im Museum darstellen.
Notbremse bei Mottenbefall
Zur Vermeidung von Schädlingsbefall werden gezielt Bedingungen geschaffen, die für Insekten möglichst unattraktiv sind: Dazu zählen ein hohes Maß an Sauberkeit, kontrollierte Luftfeuchtigkeit und niedrige Temperaturen. Durch diese drei Maßnahmen wird die Lebensgrundlage von Insekten deutlich eingeschränkt.
Während früher oft vorbeugend und in großen Mengen Insektizide verwendet wurden, die auch für den Menschen giftig waren und mit deren Folgen für Umwelt und Gesundheit man sich heute befassen muss, setzt man seit einigen Jahren auf Prävention sowie nachhaltige und umweltfreundliche Strategien der Ungezieferbekämpfung.

Detail aus dem Hofsalonwagen: Notbremse
© Technisches Museum Wien
Früherkennung in der Konservierung
Im Technischen Museum Wien kommt seit 2004, im Sinne der Präventiven Konservierung, das Konzept des Integrated Pest Management (IPM) zum Einsatz. Das ursprünglich aus der Lebensmittelindustrie stammende und seit den 1980er-Jahren auch in Museen angewandte Konzept hilft bei der Früherkennung eines (Motten-)Befalls und bildet die Basis für weitere Maßnahmen.
Beim Monitoring, also der kontinuierlichen Beobachtung von potenziellem Schädlingsbefall, kommen Pheromon- und Lichtfallen zum Einsatz, die flächendeckend im Museum und den Depots aufgestellt und regelmäßig ausgelesen werden. Die gefangenen Arten werden gezählt und identifiziert, wodurch ihre tatsächliche Ausbreitung festgestellt werden kann. Durch diese Maßnahme ist es möglich, frühzeitig zu reagieren – im besten Fall noch bevor ein Schaden an den Objekten entsteht. Wird im Rahmen des IPM ein konkreter Befall identifiziert, folgen gezielte Maßnahmen: Dies kann durch den Einsatz von Schlupfwespen geschehen, die natürliche Feinde der Motten sind, sowie durch die Behandlung mit Stickstoff. Während der Einsatz von Schlupfwespen umweltfreundlich und relativ unaufwändig ist, bedarf es bei der Stickstoffbehandlung eines größeren Aufwands, wie im Folgenden nachvollziehbar wird.
Feine Stoffe, feine Gäste
Gerade der luxuriös ausgestattete Hofsalonwagen der Kaiserin Elisabeth, mit dem sie ab 1873 Europa bereiste, ist ein potenzieller Motten-Hotspot, in den sich immer wieder Kleidermotten einnisteten. Im Jahr 2015 geschah das in einem Ausmaß, das nur noch durch eine Stickstoffbehandlung bewältigt werden konnte. Dazu wurde der über vier Meter hohe und fast zehn Meter lange Wagon luftdicht in Folie eingeschweißt und über sechs Wochen mit Stickstoff geflutet, sodass alle Entwicklungsstadien der Schädlinge – von Eiern über Larven bis zu den ausgewachsenen Tieren – zuverlässig abgetötet wurden.
Im Technischen Museum Wien kommt seit 2004, im Sinne der Präventiven Konservierung, das Konzept des Integrated Pest Management (IPM) zum Einsatz. Das ursprünglich aus der Lebensmittelindustrie stammende und seit den 1980er-Jahren auch in Museen angewandte Konzept hilft bei der Früherkennung eines (Motten-)Befalls und bildet die Basis für weitere Maßnahmen.
Beim Monitoring, also der kontinuierlichen Beobachtung von potenziellem Schädlingsbefall, kommen Pheromon- und Lichtfallen zum Einsatz, die flächendeckend im Museum und den Depots aufgestellt und regelmäßig ausgelesen werden. Die gefangenen Arten werden gezählt und identifiziert, wodurch ihre tatsächliche Ausbreitung festgestellt werden kann. Durch diese Maßnahme ist es möglich, frühzeitig zu reagieren – im besten Fall noch bevor ein Schaden an den Objekten entsteht. Wird im Rahmen des IPM ein konkreter Befall identifiziert, folgen gezielte Maßnahmen: Dies kann durch den Einsatz von Schlupfwespen geschehen, die natürliche Feinde der Motten sind, sowie durch die Behandlung mit Stickstoff. Während der Einsatz von Schlupfwespen umweltfreundlich und relativ unaufwändig ist, bedarf es bei der Stickstoffbehandlung eines größeren Aufwands, wie im Folgenden nachvollziehbar wird.
Feine Stoffe, feine Gäste
Gerade der luxuriös ausgestattete Hofsalonwagen der Kaiserin Elisabeth, mit dem sie ab 1873 Europa bereiste, ist ein potenzieller Motten-Hotspot, in den sich immer wieder Kleidermotten einnisteten. Im Jahr 2015 geschah das in einem Ausmaß, das nur noch durch eine Stickstoffbehandlung bewältigt werden konnte. Dazu wurde der über vier Meter hohe und fast zehn Meter lange Wagon luftdicht in Folie eingeschweißt und über sechs Wochen mit Stickstoff geflutet, sodass alle Entwicklungsstadien der Schädlinge – von Eiern über Larven bis zu den ausgewachsenen Tieren – zuverlässig abgetötet wurden.

Der österreichische Kaiserzug, 1891
© Technisches Museum Wien/Archiv
Obwohl die Methode der Stickstoffbehandlung sehr effektiv ist, hat sie auch Nachteile: Sie ist nur momentan wirksam, bei Objekten dieser Größe – wie auf dem Foto sichtbar – mit erheblichem Aufwand verbunden und macht dieses über längere Zeit für Besucher:innen visuell unzugänglich. Aus diesem Grund wurden die genannten Methoden kombiniert und zur Vorbeugung eines erneuten Befalls Nützlinge eingesetzt – die bereits genannte Schlupfwespenart (Apanteles carpatus). Die nur wenige Millimeter großen Tiere ernähren sich von Motten in deren Ei- und Larvenstadium und reduzieren so die Population auf natürliche Weise. In ausreichender Zahl ausgebracht, durchkämmen sie mit unermüdlich Rosshaarpolsterungen, Wollteppiche und sogar die persönliche Bettwäsche der Kaiserin.

Der Hofsalonwagen der Kaiserin Elisabeth im Stickstoffzelt
© Technisches Museum Wien
Wenn Motten Spuren hinterlassen
Mottenbefall hinterlässt an historischen Textilien charakteristische Schäden: Fraßlöcher, ausgedünnte Gewebestrukturen und vollständige Materialverluste sind typische Folgen der Larvenaktivität. Dabei können sowohl textile Oberflächen als auch darunterliegende Schichten angegriffen werden – ganze Polsterbereiche brechen auf, Füllmaterial tritt aus und dekorative Bezüge verlieren ihre Stabilität.
Mottenbefall hinterlässt an historischen Textilien charakteristische Schäden: Fraßlöcher, ausgedünnte Gewebestrukturen und vollständige Materialverluste sind typische Folgen der Larvenaktivität. Dabei können sowohl textile Oberflächen als auch darunterliegende Schichten angegriffen werden – ganze Polsterbereiche brechen auf, Füllmaterial tritt aus und dekorative Bezüge verlieren ihre Stabilität.

Boudoir des Hofsalonwagens
© Technisches Museum Wien

Mottenkokons in den Falten der textilen Wandbespannung des Hofsalonwagens
© Technisches Museum Wien
Herausforderung Hofsalonwagen
Was den Hofsalonwagen der Kaiserin Elisabeth zu einem so attraktiven Lebensraum für Motten macht: Der Innenraum des Wagons ist vollständig textil ausgekleidet. Die Wände sind mit grüner Seide bespannt, die bis in halber Höhe mit Rosshaar gepolstert sind. Auch die Nebenräume wie Vorzimmer und Abort sind mit Seidenstoffen ausgestattet. Zusätzlich ist die gesamte Möblierung wie Sofa, Fauteuil, Hocker, Schminktisch, Bett und Spieltisch einheitlich damit bezogen. Die Plafonds in Boudoir und Schlafzimmer bestehen teils aus aufwendig gewebten Brokaten und Stickereien. Die textilen Komponenten der Ausstattung zeigten Risse, Löcher, Abnutzungsspuren sowie beschädigte Fransen und Borten. Infolge von UV-Einwirkung waren sie stark verblichen und brüchig. Dazu kamen Mottenfraßspuren und Rückstände von Larvenhüllen, Gespinströhren und Exkrementen, besonders unter Borten und Falten sowie an Filzauflagen und -rollos, in Teppichen und Schaffellen. Auch die Rosshaarpolsterung und die Innenfüllungen der Möbel waren stark von Motten befallen.
Wesentlich ist der erste Schritt bei der Restaurierung: die gründliche Reinigung. Neben Staub müssen vor allem organische Rückstände wie Exkremente, Larvenhüllen oder Kokons entfernt werden, da sie ein erneutes Schädlingsaufkommen fördern können. Dies geschieht meist durch eine Trockenreinigung mit Feinstaubsaugern, Pinseln und Pinzetten. Diese wurde hier durch die Rückstände historischer Pestizide erschwert. Erhebliche Mengen eines weißen Pulvers kamen vor allem unter Möbeln und Teppichen zum Vorschein, weshalb von einer flächigen Belastung auszugehen war. Entsprechend war bei den Reinigungsarbeiten der Einsatz einer geeigneten Schutzausrüstung für die Restaurator:innen erforderlich.
Nach der Reinigung wurden geschwächte Bereiche mit näh- und klebetechnischen Verfahren gesichert: Lockere Textilpartien wurden fixiert, fragile Zonen durch hinterlegte Stoffe stabilisiert. Fehlstellen und nur noch fragmentarisch erhaltene Textilien wurden – je nach Größe und Sichtbarkeit – unterlegt und durch passgenaue Intarsien aus farblich und strukturell angepasstem Material ergänzt sowie stellenweise mit Crepeline überzogen. Im Vordergrund stand dabei der Erhalt der originalen Substanz sowie die Reversibilität (Umkehrbarkeit) aller Maßnahmen im Vordergrund.
Prävention schlägt Intervention
Am Beispiel des Hofsalonwagens wird deutlich, dass ein nachhaltiger Ansatz wie das IPM nicht nur umweltfreundlicher, sondern ebenso effektiv ist wie der Einsatz von Insektiziden. Durch die Kombination aus konsequenter Prävention und gezieltem Monitoring lassen sich aufwendige und kostenintensive Einzelmaßnahmen weitgehend vermeiden. Werden potenzielle Risiken früh erkannt, können sie mit durchdachten und möglichst schonenden Methoden kontrolliert werden. Auf diese Weise bleibt nicht nur die originale Substanz erhalten, sondern es wird zugleich ein verantwortungsbewusster Umgang mit unserem kulturellen Erbe gewährleistet – damit auch die kommenden Generationen Besucher:innen mottenfreie Einblicke in den Hofsalonwagen der Kaiserin Elisabeth bekommen.
Was den Hofsalonwagen der Kaiserin Elisabeth zu einem so attraktiven Lebensraum für Motten macht: Der Innenraum des Wagons ist vollständig textil ausgekleidet. Die Wände sind mit grüner Seide bespannt, die bis in halber Höhe mit Rosshaar gepolstert sind. Auch die Nebenräume wie Vorzimmer und Abort sind mit Seidenstoffen ausgestattet. Zusätzlich ist die gesamte Möblierung wie Sofa, Fauteuil, Hocker, Schminktisch, Bett und Spieltisch einheitlich damit bezogen. Die Plafonds in Boudoir und Schlafzimmer bestehen teils aus aufwendig gewebten Brokaten und Stickereien. Die textilen Komponenten der Ausstattung zeigten Risse, Löcher, Abnutzungsspuren sowie beschädigte Fransen und Borten. Infolge von UV-Einwirkung waren sie stark verblichen und brüchig. Dazu kamen Mottenfraßspuren und Rückstände von Larvenhüllen, Gespinströhren und Exkrementen, besonders unter Borten und Falten sowie an Filzauflagen und -rollos, in Teppichen und Schaffellen. Auch die Rosshaarpolsterung und die Innenfüllungen der Möbel waren stark von Motten befallen.
Wesentlich ist der erste Schritt bei der Restaurierung: die gründliche Reinigung. Neben Staub müssen vor allem organische Rückstände wie Exkremente, Larvenhüllen oder Kokons entfernt werden, da sie ein erneutes Schädlingsaufkommen fördern können. Dies geschieht meist durch eine Trockenreinigung mit Feinstaubsaugern, Pinseln und Pinzetten. Diese wurde hier durch die Rückstände historischer Pestizide erschwert. Erhebliche Mengen eines weißen Pulvers kamen vor allem unter Möbeln und Teppichen zum Vorschein, weshalb von einer flächigen Belastung auszugehen war. Entsprechend war bei den Reinigungsarbeiten der Einsatz einer geeigneten Schutzausrüstung für die Restaurator:innen erforderlich.
Nach der Reinigung wurden geschwächte Bereiche mit näh- und klebetechnischen Verfahren gesichert: Lockere Textilpartien wurden fixiert, fragile Zonen durch hinterlegte Stoffe stabilisiert. Fehlstellen und nur noch fragmentarisch erhaltene Textilien wurden – je nach Größe und Sichtbarkeit – unterlegt und durch passgenaue Intarsien aus farblich und strukturell angepasstem Material ergänzt sowie stellenweise mit Crepeline überzogen. Im Vordergrund stand dabei der Erhalt der originalen Substanz sowie die Reversibilität (Umkehrbarkeit) aller Maßnahmen im Vordergrund.
Prävention schlägt Intervention
Am Beispiel des Hofsalonwagens wird deutlich, dass ein nachhaltiger Ansatz wie das IPM nicht nur umweltfreundlicher, sondern ebenso effektiv ist wie der Einsatz von Insektiziden. Durch die Kombination aus konsequenter Prävention und gezieltem Monitoring lassen sich aufwendige und kostenintensive Einzelmaßnahmen weitgehend vermeiden. Werden potenzielle Risiken früh erkannt, können sie mit durchdachten und möglichst schonenden Methoden kontrolliert werden. Auf diese Weise bleibt nicht nur die originale Substanz erhalten, sondern es wird zugleich ein verantwortungsbewusster Umgang mit unserem kulturellen Erbe gewährleistet – damit auch die kommenden Generationen Besucher:innen mottenfreie Einblicke in den Hofsalonwagen der Kaiserin Elisabeth bekommen.
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