Manche Geschichten beginnen früher, als man denkt. Im Technischen Museum Wien startet die Reise durch die Dauerausstellung „Materialwelten“ nicht erst zwischen den Exponaten, sondern bereits im Foyer.
Das Nest, das einen Elefanten trägt
Mi 02. September 2026
Wer das TMW betritt, entdeckt seit Kurzem eine ungewöhnliche Holzkonstruktion. Sie wirkt vertraut und fremd zugleich: wie ein überdimensionales Nest, wie ein Baum oder wie eine geometrische Skulptur. Ihr Name: Nestroid. Der Name setzt sich aus den Begriffen Nest und Hyperboloid zusammen. Hyperboloid klingt nach komplizierter Geometrie und Mathematik. Tatsächlich beschreibt es aber eine Form, die entsteht, wenn man eine offene Kurve um ihre Hauptachse dreht. Trotz der sanduhrähnlichen Form lässt sich ein Hyperboloid komplett aus geraden Linien konstruieren. Die komplex scheinende, faszinierende Form des Nestroids war dadurch einfach und wirtschaftlich umsetzbar.

Das Nestroid im Foyer: Die hyperboloidförmige Struktur bestehend aus 18 Stäben hat eine Höhe von etwa 4,5 Meter und einen Durchmesser von circa 3,3 Meter. Sie ist von innen erlebbar
© Technisches Museum Wien
Doch das Objekt ist weit mehr als ein Blickfang. Es erzählt schon im Eingangsbereich des Museums eine jener Geschichten, die sich in der Dauerausstellung „Materialwelten“ fortsetzt: Wie wir künftig bauen wollen und warum Materialien dabei eine entscheidende Rolle spielen.
Schon vor gut 16 Jahren erhielt das Foyer sein unverwechselbares Aussehen durch multifunktionale, pilzähnliche Objekte, die die Akustik, Beleuchtung und Orientierung verbessern und dem Raum einen spielerischen Charakter verleihen.
Das Nestroid schreibt die Geschichte weiter, indem er für den Wandel in der Bauwirtschaft steht. Klimawandel, Ressourcenknappheit und Kreislaufwirtschaft prägen heute die Diskussion über Architektur und Bauwesen. Die Holzkonstruktion soll sichtbar machen, was auch die Dauerausstellung „Materialwelten“ thematisiert: Materialien sind nicht bloß Bau- oder Werkstoffe. Sie sind Teil einer Entscheidung darüber, wie nachhaltig unsere Zukunft sein wird.
Dass die Konstruktion aus Holz besteht, ist kein Zufall. Holz zählt zu den wichtigsten nachwachsenden Baustoffen und bindet während seines Wachstums Kohlendioxid. Das Nestroid möchte damit Bewusstsein für modernen Holzingenieurbau und CO2-reduziertes Bauen schaffen.
Schon vor gut 16 Jahren erhielt das Foyer sein unverwechselbares Aussehen durch multifunktionale, pilzähnliche Objekte, die die Akustik, Beleuchtung und Orientierung verbessern und dem Raum einen spielerischen Charakter verleihen.
Das Nestroid schreibt die Geschichte weiter, indem er für den Wandel in der Bauwirtschaft steht. Klimawandel, Ressourcenknappheit und Kreislaufwirtschaft prägen heute die Diskussion über Architektur und Bauwesen. Die Holzkonstruktion soll sichtbar machen, was auch die Dauerausstellung „Materialwelten“ thematisiert: Materialien sind nicht bloß Bau- oder Werkstoffe. Sie sind Teil einer Entscheidung darüber, wie nachhaltig unsere Zukunft sein wird.
Dass die Konstruktion aus Holz besteht, ist kein Zufall. Holz zählt zu den wichtigsten nachwachsenden Baustoffen und bindet während seines Wachstums Kohlendioxid. Das Nestroid möchte damit Bewusstsein für modernen Holzingenieurbau und CO2-reduziertes Bauen schaffen.

Für die statische Untersuchung wurde als Belastung eine Personenmasse von 1,0 kN (ca. 100 kg) angenommen
© Ralf Kolm (WIEHAG)

Mit einem abschließenden Ring könnte die oberste Ebene das Gewicht eines 7 Tonnen schweren Elefanten tragen
© Clemens Russ
Das Nestroid wirkt leicht und fragil, dahinter steckt jedoch ein ausgeklügeltes System. Die Erbauer verraten augenzwinkernd, dass die Konstruktion theoretisch einen sieben Tonnen schweren Elefanten tragen könnte. Ein Elefant wird das Foyer des Museums wahrscheinlich nie betreten, doch das Gedankenexperiment macht eindrucksvoll deutlich, wie leistungsfähig moderner Holzbau ist.

Die Holzstäbe bestehen aus mehreren Lagen, die vor dem Aushärten des Leims in Form gebogen wurden
© WIEHAG/Mitterbauer

Stahlgewindestangen und Druckhülsen halten die äußeren und inneren Stäbe fest zusammen
© Clemens Russ
Die Konstruktion besteht aus 18 einfach gekrümmten, geometrisch identischen Fichtenholzelementen. Je neun Elemente bilden zwei gegeneinander geneigte Kreise und erzeugen gemeinsam die räumliche Form. Stahlringe und Gewindestangen verbinden die Elemente miteinander. Diese Einfachheit ist ausdrücklich gewünscht. Das vereinfacht die Herstellung, Montage und später auch den Rückbau. Das Nestroid ist weitgehend recycelbar und kostengünstig zu errichten. Gleichzeitig zeigt das Projekt, dass mit der hochtechnologisierten Vorfertigung im Holzbau heute Geometrien und Fügungsarten möglich sind, die bisher undenkbar waren.

Ein Bodenring nimmt die Kräfte aus den schrägen Stäben auf und leitet sie sicher weiter
© Technisches Museum Wien

Durch die aufgeschweißten Laschen ist die Montage wesentlich erleichtert
© Technisches Museum Wien

Die Stäbe bestehen aus mehreren Holzlagen, die vor dem Aushärten des Leims in Form gebogen wurden
© Technisches Museum Wien
Im Zuge der Planung wurden mit modernster Technik und KI-generierten Visualisierungen mehr als zehn unterschiedliche Entwürfe entwickelt, diskutiert und wieder verworfen. Am Ende setzte sich ausgerechnet die „einfachste“ Lösung durch. Die größte Herausforderung war aber weniger die Technik, sondern die Abstimmung zwischen allen Beteiligten. Oder wie es ein Beteiligter formulierte: „Der zeitaufwendigste Teil des Projekts war die Kommunikation.“

Ein Team von Fischer Holzbaumeister baute das Nestroid Stab für Stab auf dem Bodenring auf ...
© Technisches Museum Wien

... nach nur wenigen Stunden stand es fertig in der TMW-Eingangshalle
© Technisches Museum Wien
Auch andere Details erzählen von den vielen Entscheidungen hinter dem scheinbar mühelosen Projekt: Die ursprünglich diskutierte Begrünung musste verworfen werden, um keine Insekten ins Museum zu locken. Ein Brandschutzanstrich sorgt dafür, dass der Fluchtweg sicher bleibt. Und um die Holzkonstruktion für Jung und Alt ohne Gefahr beschreit- und erlebbar zu machen, wurde als Bodenbelag ein Gummigranulat aufgebracht, das optisch dem im Kinderbereich miniXplore entspricht.
Nestroid ist weit mehr als eine Holzkonstruktion. Es ist ein Versprechen, dass nachhaltiges Bauen nicht nur effizient sein kann, sondern auch neugierig macht, überrascht und begeistert.
Nestroid ist eine Gemeinschaftsleistung von:
Konsulenten: brandschütz GmbH – Christian Schütz
Montage: Holzbau Fischer GmbH
Fertigung:
Mit freundlicher Unterstützung von:
Nestroid ist weit mehr als eine Holzkonstruktion. Es ist ein Versprechen, dass nachhaltiges Bauen nicht nur effizient sein kann, sondern auch neugierig macht, überrascht und begeistert.
Nestroid ist eine Gemeinschaftsleistung von:
- Rhomberg Bau GmbH: Clemens Russ (Projektleiter, Planung, Computational Engineering)
- WIEHAG Timber Construction GmbH: Florian Kinz (Projektleiter), Florian Schindecker (Konstruktion und Projektverantwortlicher) und Ralf Kolm (Tragwerksplanung)
- Technisches Museum Wien: Marlies Forenbacher, Florian Mick, Susanne Rafaseder
Konsulenten: brandschütz GmbH – Christian Schütz
Montage: Holzbau Fischer GmbH
Fertigung:
- Holz: Hasslacher Gruppe
- Stahl: Aigner Albrecht Anlagenbau GmbH
- Granulatboden: ALGEBRA Spielplatzbetreuung GmbH
Mit freundlicher Unterstützung von:
- Waldfonds Republik Österreich
- Pro:Holz Austria

Das Projektteam (v. l. n. r.): Ralf Kolm (WIEHAG), Clemens Russ (Rhomberg), Florian Schindecker (WIEHAG), Peter Aufreiter (TMW), Marlies Forenbacher (TMW), Florian Mick (TMW)
© Technisches Museum Wien