Mo 21. September 2026
Im TMW werden neben historisch bedeutsamen Entwicklungsschritten der Technikgeschichte auch die neuesten technischen Gadgets des 21. Jahrhunderts präsentiert. Es ist ein Museum, das nicht nur die Vergangenheit, sondern auch die Gegenwart dokumentiert und selbst die komplexesten Technologien zugänglich macht.
Aber wie gelangen eigentlich Objekte in die Sammlungen? Darf man als Privatperson einem Museum überhaupt etwas schenken? Oder anders gefragt: Darf ich meine alten Sachen einfach ins Museum bringen? Und wozu die weißen Handschuhe, ich fasse meine Sachen ja auch ohne an? Die museologische Antwort lautet: Sobald ein Objekt ins Sammlungsinventar gelangt, wird aus einem Alltagsgegenstand ein historisches Zeugnis. Sein Ist-Zustand wird sozusagen „eingefroren“. Statt es wie neu aussehen zu lassen, gilt es, Gebrauchsspuren wie Kratzer oder Reparaturen zu bewahren, da sie wertvolle Informationen über seine Geschichte und Nutzung enthalten. Aufgabe des Museums ist es, diesen Zustand zu erhalten und neue Schäden durch Lagerung oder Handhabung zu verhindern. Hier greifen konservatorische Maßnahmen, die vom passenden Raumklima bis hin zu den typischen weißen Handschuhen reichen.

Tatsächlich kommen die meisten Schenkungsanfragen von Privatpersonen, die entweder einzelne Gegenstände aus „Omas Keller“ dem Museum vermachen möchten oder ihre eigenen Sammlungen aus verschiedenen Gründen auflösen wollen und deshalb nach einem Ort suchen, an dem diese Objekte sicher aufbewahrt werden und gleichzeitig für die Forschung zugänglich bleiben. Ein Museum kann nicht zuletzt aus Platzgründen alles sammeln: Bei jeder Neuannahme wird zunächst überprüft, ob das in Frage kommende Objekt zur Ausrichtung und Sammlungsstrategie des Hauses passt oder bereits vorhanden ist. Im TMW spielt dabei insbesondere der Österreichbezug eine wichtige Rolle.

Nach einer gründlichen Überprüfung solcher Angebote durch die Kustod:innen werden für die einzelnen Sammlungsbereiche interessante Objekte der Generaldirektion vorgestellt. Sollten diese als sammlungswürdig erachtet und der Zugang daher genehmigt werden, beginnt der Prozess der Inventarisierung.

Inventarisieren oder wie aus einem Alltagsgegenstand Kulturgut wird
Die Kustod:innen legen zunächst einen Eintrag in der Datenbank an, welcher Schritt für Schritt ergänzt wird. Anschließend entscheidet die Generaldirektion über die Genehmigung oder Ablehnung der Eingliederung in die Sammlung. Nach erfolgter Genehmigung wird die Inventarnummer vergeben. Die Vergabe einer fortlaufenden Inventarnummer ist sehr wichtig. Diese wird in der Regel im Technischen Museum Wien in Form von archivtauglichen Inventaretiketten angebracht. Sollte aufgrund der Materialbeschaffenheit ein Aufkleben nicht möglich sein, werden die Nummern mithilfe einer speziellen Baumwollschnur an das Stück angehängt oder mit archivtauglichen Stiften angeschrieben.

Anschließend wird das Objekt samt Zubehör sowie der Originalverpackung, wenn vorhanden, abgemessen und fotografiert. Die fotografische Dokumentation ist wichtig, um festzuhalten, was in welchem Zustand in die Hände des Museums übergeben wurde. Dabei wird gesondertes Augenmerk auf technische Daten in Form von Seriennummern, Aufklebern, Schildern und ähnliches gelegt. Reprofähige Fotos, also Bilder, die später auch in Publikationen abgedruckt werden können, werden erst gemacht, wenn das Objekt gereinigt wurde, damit es sich bei den Aufnahmen von seiner besten Seite zeigen kann. Sofern noch Unterlagen wie Anleitungen und Handbücher existieren, werden diese als „Anlagen“ archiviert.


Geöffnetes rotes Werkzeugkoffer-Set mit grünem Schaumstoff-Einlage, das eine Metallplatte, Sieb, Spritzen, Kleinteile und eine Vaseline-Dose enthält.: CVK-Experimentierbox 31705 zum Thema „Luft“ (Inv.-Nr. 113.239)
CVK-Experimentierbox 31705 zum Thema „Luft“ (Inv.-Nr. 113.239)
Orangefarbene ESBIT-Box mit Flammen-Logo und Sicherheitshinweisen: Trockenbrennstoff der Marke „Esbit“ für Experimentierbox „Luft“
Trockenbrennstoff der Marke „Esbit“ für Experimentierbox „Luft“
Ein Konvolut, an dem dieser Vorgang besonders gut ersichtlich wird, ist ein Experimentierkoffer zum Thema „Luft“. Versuchskoffer dieser Art waren insbesondere in den 1990er- und 2000er-Jahren weit verbreitete Lehrmittel und sind heute noch über verschiedene Verkaufsplattformen erhältlich. Das hier präsentierte Experimentierset kam 2025 als Schenkung ins Haus und wurde im Zuge der Inventarisierung auf zwei Inventarnummern (bzw. eine Hauptnummer und einer zugehörigen Subnummer) aufgeteilt. Der Hauptteil umfasst alle auf dem Foto ersichtlichen Objektteile, exklusive des Trockenbrennstoffs „Esbit“. Durch die Zuteilung einer Subnummer kann dieser zu Sicherheitszwecken separat in einem geeigneten brandbeständigen Schrank aufbewahrt und jederzeit dem Hauptobjekt zugeordnet werden.

Diese Trennung in „Objekt“ und „Objektteil“ erlaubt auch eine separate, wissenschaftliche Bearbeitung in der Datenbank. Dadurch kann man die „Esbit“-Trockenbrennstofftabletten mit zusätzlichen Handlungshinweisen versehen, ohne den ganzen Koffer mit der GHS2-Kennzeichnung für „entzündbare (brennbare) Stoffe “ versehen zu müssen.
Durch dieses Beispiel soll ersichtlich werden, dass sicherheitsrelevante Aspekte für die Verpackung und Lagerung der Objekte mitbedacht werden müssen.

Zustandserfassung und Reinigung – eine Objektkarriere am Anfang
Nach der Inventarisierung geht es für das Objekt weiter zur Reinigung, welche mit der Zustandserfassung Hand in Hand geht. Dabei heißt es im ersten Schritt sehr genau hinzusehen, um die Materialien, möglicherweise gefährdete Stellen oder Verunreinigungen, und etwaige weitere Bedürfnisse des Objekts zu erkennen. Dies geschieht durch fachkundige Mitarbeiter:innen. Die gewonnenen Informationen werden in der Datenbank dokumentiert, wobei sich die bearbeitende Person mittels Signatur und Datum „verewigt“. So ist die Nachverfolgbarkeit des Zustands und der ersten Konservierungsmaßnahmen für Personen, die dieses Objekt in der Zukunft bearbeiten, gegeben.

Der Zustand des Objektes wird auf eine der drei Kategorien – stabil, instabil oder gefährdet – festgesetzt. Das kann die weitere Laufbahn des Objekts beeinflussen. „Instabil“ und „gefährdet“ können bedeuten, dass das Objekt besonders achtsam gehandelt werden muss oder sogar weitere Absprachen mit dem Team der Konservierung und Restaurierung notwendig sind, bevor die Reinigung stattfinden kann.
Gefahrensymbol für entzündliche Stoffe: Flamme auf weißem Grund mit rotem Rand: Produkte mit diesem Piktogramm entzünden sich leicht – bei falscher Lagerung können sie sich auch selbst entzünden
Produkte mit diesem Piktogramm entzünden sich leicht – bei falscher Lagerung können sie sich auch selbst entzünden
Grau-grüner Koffer mit dem Schriftzug „Elettronik“ und Lüftungsschlitzen: Funksprechanlage aus dem Jahr 1963 (Inv.-Nr. 114.106)
Funksprechanlage aus dem Jahr 1963 (Inv.-Nr. 114.106)
Ist das Objekt aber als stabil eingestuft, kommen diverse Werkzeuge zum Einsatz: Nicht fehlen dürfen auf jeden Fall Wattestäbchen, Mikrofasertücher, weiche und borstige Pinsel, spezielle Schwämmchen sowie ein Staubsauger mit HEPA-Filter – abhängig von der Oberflächentextur des Objektes. Der Einsatz von HEPA-Filtern ist wichtig, um zum Beispiel Schimmelsporen zu binden. Zum Schutz des Objekts arbeitet man stets mit Baumwoll- oder Nitrilhandschuhen, zum Schutz der Person kann es empfehlenswert sein, eine Atemmaske zu tragen.

Wichtig zu wissen ist, dass es sich hierbei nicht unbedingt um eine „ästhetische“ Reinigung handelt, sondern um eine präventiv konservatorische, wobei besonders auf nicht sofort sichtbare Verunreinigungen geachtet werden muss. Oft ist die Entfernung von „verstecktem“ Staub im Objektinneren, in Ritzen und Falten besonders wichtig, da dieser mit der Zeit Feuchtigkeit anzieht, welche das Objekt, je nach Material, schädigt.

Das Thema Feuchtigkeit spielt auch bei den Reinigungsanwendungen selbst eine Rolle, da diese zum Hauptteil als Trockenreinigung stattfindet. Nur in ausgewählten Fällen kommen flüssige Lösemittel wie Ethanol, Aceton, oder Agepon zum Einsatz – jeweils großzügig mit Wasser verdünnt.

Detailansicht eines historischen Funkgeräts mit Beschriftung „154,925 MHz 12 V“, Anschlussbuchse und Metallklammer: Funksprechanlage vor ...
Funksprechanlage vor ...
Detailansicht eines historischen Funkgeräts mit Beschriftung „154,925 MHz 12 V“, Anschlussbuchse und Metallklammer: ... und nach der Reinigung (Inv.-Nr. 114.106)
... und nach der Reinigung (Inv.-Nr. 114.106)
Was bei der Reinigung der 106-Funksprechanlage gleich auffällt, sind die verschiedenen Materialien: der Objektkörper und die Schnalle aus Metall, die Steckleiste und das Etikett aus Kunststoff sowie der beschriftete Papierstreifen unter dem Kunststofffenster des Etiketts.

Bevor Reinigungswerkzeuge zur Hand genommen werden, wird das Objekt genau betrachtet. Das Entfernen der starken Staubschicht ist die erste Reinigungsmaßnahme, die gesetzt werden muss: Speziell das Etikett und dessen Umfeld weisen einen fast opaken Staubrand auf. Am Gelenk der Metallschnalle lässt sich Rost erkennen, welcher sich fast wie gesprenkelt über die Oberfläche der Schnalle ausbreitet.

Sobald man sich versichert hat, dass das Objekt stabil genug für die Reinigung ist, wird hier zunächst die gesamte Oberfläche vorsichtig mit einem Mikrofasertuch abgewischt und somit vom gröbsten Staub befreit. Etwas detaillierter kann anschließend mit einem speziellen Naturkautschuk- oder PE-Schwämmchen weiterer Staub entfernt werden. Um enge Bereiche wie die Zwischenräume der Steckleiste oder die Ecken und Ränder des Etiketts zu reinigen, greift man zu Wattestäbchen – falls notwendig, kann man diese leicht befeuchten. Dabei muss darauf geachtet werden, ein geeignetes Lösungsmittel richtig anzuwenden, um das Objekt nicht zu schädigen (z. B. Austrocknung/Versprödung, Verfärbung oder Quellung). Das Wattestäbchen wird kurz in das Lösungsmittel getunkt und an einem sauberen Tuch ausgedrückt, um die Feuchtigkeit möglichst gering zu halten. Bei Verwendung von Lösungsmitteln sollte nachgereinigt werden, um Schäden am Objekt vorzubeugen. Im Fall der Funksprechanlage muss auch kontrolliert werden, ob der beschriftete Papierstreifen unter dem Kunststofffenster entfernt werden kann und ob durch die Reinigung Feuchtigkeit zu ihm durchdringen könnte. Ist man sich der Beschaffenheit der vorliegenden Materialien nicht sicher, gilt die Trockenreinigung grundsätzlich als schonendste Option.

Da die Zwischenräume dieser Steckleiste auch mit Wattestäbchen schwierig zu erreichen sind, kann man sich behelfen, indem man ein „Würmchen“ aus Watte formt, und dieses mittels einer feinen Pinzette einfädelt und manövriert. Der Rost an der Schnalle kann mit einem groben, schmalen Pinsel vorsichtig mechanisch reduziert werden. Obwohl die Schnalle nach dieser Prozedur auch „schöner“ aussieht, geht es dabei nicht in erster Linie um eine ästhetische Verbesserung. Vielmehr ist die weitestgehende Entfernung von Rost relevant, da dieser Feuchtigkeit anziehen und die Korrosion verstärken kann – was in diesem Fall zum Erstarren des Gelenkmechanismus‘ führen könnte.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass bei der Objektreinigung zahlreiche detailorientierte, mitunter nahezu unsichtbare Prozesse zum Einsatz kommen, die Vorwissen über Materialien und Werkzeuge voraussetzen. Durch die genaue Auseinandersetzung mit dem Objekt eröffnen sich oft neue Erkenntnisse und das Verständnis für das Objekt wird vertieft, was sowohl zum Erhalt als auch zur Aufarbeitung der Sammlung beiträgt. Ist das Objekt gereinigt und der Zustand erfasst, geht es weiter mit dem Thema „Verpackung und Lagerung“, welches in einem weiteren Zine-Artikel behandelt wird.

Fazit
Je besser aufgearbeitet eine Sammlung ist, desto wertvoller wird sie für Forschung und Öffentlichkeit. Das Inventar gilt als das Rückgrat des Museums, da es die grundlegende Dokumentation des Sammlungsbestandes und die Basis für die gesamte museale Arbeit darstellt.

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