Der Suezkanal

Zwischen Ingenieurskunst und Kolonialismus

Ein kompaktes Ausstellungsformat, das neue Einblicke in die Archivbestände des TMW und in die koloniale Geschichte Österreichs ermöglicht.
Ab 14. Dezember
Die Eröffnung des Suezkanals 1869 verkürzte die Seewege zwischen Europa und Asien erheblich. Davon profitierten nicht nur die Kolonialmächte Frankreich und Großbritannien, sondern auch die Habsburgermonarchie. So verkürzte sich die Schiffsroute von Triest, dem damals bedeutendsten Seehafen der Monarchie, nach Mumbai um rund 12.900 Kilometer. 
 
Der österreichische Ingenieur Alois Negrelli leistete einen maßgeblichen Beitrag zur Planung des Suezkanals. Sein Nachlass wird im Archiv des TMW aufbewahrt und war eine zentrale Grundlage für das mehrjährige Forschungsprojekt Koloniale Infrastrukturen, das durch das Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport (BMWKMS) gefördert wurde. Im Rahmen des Projekts wurden zahlreiche historische Dokumente transkribiert und wissenschaftlich ausgewertet. Zentrale Forschungsfragen waren, welche Beweggründe hinter Österreichs Beteiligung am Suezkanalprojekt standen und welche wirtschaftlichen Vorteile sich daraus ergaben.
 
Anhand von Tagebüchern, Fotografien, Karten sowie Erklärvideos vermittelt die kompakte Präsentation zentrale Erkenntnisse aus der Erforschung der Archivbestände. Thematisiert werden beispielsweise eine österreichische Expedition nach Ägypten und die Einbindung von Ingenieuren und Unternehmen der Habsburgermonarchie in koloniale Netzwerke. 
 
Der Suezkanal – zwischen Ingenieurskunst und Kolonialismus ist als Intervention in der Dauerausstellung Materialwelten zu sehen. Sie befindet sich unmittelbar neben dem Ausstellungsbereich Gummi, der auch die kolonialen Hintergründe der Kautschukgewinnung beleuchtet. Diese räumliche Verbindung verdeutlicht, wie Infrastrukturprojekte die koloniale Ausbeutung und den Transport von Rohstoffen nach Europa beschleunigten und zur europäischen Industrialisierung wesentlich beitrugen.
 
Darüber hinaus dient die Intervention als Schaufenster für das umfassende TMW-Forschungsprojekt, das in der multimedialen Webausstellung [re]framing Colonial Infrastructures präsentiert wird. Für alle, die tiefer in die kolonialismuskritische Forschungsarbeit des TMW eintauchen möchten, bietet die Online-Ausstellung detaillierte Informationen und historische Dokumente nicht nur zum Suezkanal, sondern auch zum Bau von Eisenbahnstrecken in Brasilien, Indien und Namibia.

Ausstellungsdauer: bis Ende März 2027

#suezkanal_tmw
Jugendliche & Erwachsene

Online-Ausstellung

Grafik mit vier farbigen Tafeln, die historische Szenen zum Kolonialismus zeigen, und einem geometrischen Rahmen über den Tafeln.

[re]framing Colonial Infrastructures beleuchtet koloniale Infrastrukturprojekte in Ägypten, Brasilien, Indien und Namibia und nimmt Österreichs Beteiligung am Kolonialismus kritisch in den Blick.