Di 24. Februar 2026
Obwohl die Habsburgermonarchie formal keine eigenen Kolonien besaß, war Österreich wirtschaftlich in die koloniale Expansion europäischer Großmächte eingebunden und profitierte davon. Koloniale Verstrickungen verschiedener Akteur:innen der Monarchie sind durch Beteiligungen an kolonialen Infrastrukturprojekten belegt, etwa durch planerische Tätigkeiten von k. k. Ingenieuren oder durch die Mitwirkung österreichischer Unternehmen.
In den technikhistorischen Archiven des TMW befinden sich Dokumentenbestände zu vier Infrastrukturprojekten aus kolonialen Kontexten: dem Suezkanal in Ägypten sowie Eisenbahnprojekte in Brasilien (Dom Pedro II. Eisenbahn), Indien (North Western Railway) und Namibia (Otavibahn).  Davon ausgehend setzte das Forschungsprojekt „Koloniale Infrastrukturen“ einen Schwerpunkt auf dekoloniale Erschließungs- und Forschungspraxis sowie auf digitale Vermittlung. Die Ergebnisse des mehrjährigen Projekts (2022–2025) werden in der digitalen Forschungsausstellung [re]framing Colonial Infrastructures präsentiert, die die Schlüsselrolle der Verkehrsinfrastruktur sowohl bei der Etablierung globaler Handelsrouten im Interesse europäischer Imperialmächte als auch bei der Kolonisierung außereuropäischer Weltregionen beleuchtet.

Otavibahn (Nambia): Arbeiter:innen beim Verlegen von Wellblechrohren, Kupferdruck, 1907: Otavibahn (Nambia): Arbeiter:innen beim Verlegen von Wellblechrohren, Kupferdruck, 1907
Otavibahn (Nambia): Arbeiter:innen beim Verlegen von Wellblechrohren, Kupferdruck, 1907
Otavibahn (Namibia): Arbeiter:innen beim Verlegen des Gleisbettes, Kupferdruck, 1907: Otavibahn (Namibia): Arbeiter:innen beim Verlegen des Gleisbettes, Kupferdruck, 1907
Otavibahn (Namibia): Arbeiter:innen beim Verlegen des Gleisbettes, Kupferdruck, 1907
Das innovative Format verbindet eine kolonialismuskritische Webausstellung mit einem Rechercheportal. Anhand multimedialer Inhalte und kontextualisierender Texte veranschaulicht die digitale Ausstellung die weitreichenden Folgen des Baus kolonialer Infrastrukturen, insbesondere im Hinblick auf die Ausbeutung lokaler Bevölkerungen sowie die ökologische Umgestaltung ihrer Lebensräume. Das weiterführende Open-Access-Rechercheportal macht Metadaten, hochauflösende Scans, digitale Editionen und Transkriptionen von rund 900 Dokumenten zugänglich und bietet der interessierten Öffentlichkeit sowie Forscher:innen eine breite Grundlage für eine vertiefende, multiperspektivische Auseinandersetzung mit den Archivbeständen. Darüber hinaus erläutert ein im Rahmen des Forschungsprojekts entwickeltes Glossar problematische Begriffe, ordnet kulturwissenschaftliche sowie dekoloniale Konzepte ein und sensibilisiert für eine diskriminierungskritische Sprache.

North Western Railway (Indien): Die Lansdoune-Brücke über dem Indus bei Sukkur, Panoramaaufnahme, 1907–10 : North Western Railway (Indien): Die Lansdoune-Brücke über dem Indus bei Sukkur, Panoramaaufnahme, 1907–10
North Western Railway (Indien): Die Lansdoune-Brücke über dem Indus bei Sukkur, Panoramaaufnahme, 1907–10
Die digitale Forschungsausstellung versteht sich als aktiver Beitrag des TMW zum Prozess musealer Dekolonisierung mit dem Ziel, einen kritischen Umgang mit kulturell sensiblen Quellen zur Kolonialgeschichte zu fördern und zu vermitteln.
 
Forschungsausstellung [re]framing Colonial Infrastructures: forschung.tmw.at/reframing
Open-Access-Rechercheportal: forschung.tmw.at/decolonial


Suezkanal (Ägypten): Baustelle, Damm bei Serapeum am Großen Bittersee, Fotografie, 1869: Suezkanal (Ägypten): Baustelle, Damm bei Serapeum am Großen Bittersee, Fotografie, 1869
Suezkanal (Ägypten): Baustelle, Damm bei Serapeum am Großen Bittersee, Fotografie, 1869
Das Team

Wissenschaftliche Projektleitung: Carla Camilleri
Forschungsteam Suezkanal:
TMW: Julia Ametsreiter, Carla Camilleri, Lukas Scheibenpflug
Externe Forscher: Patrick Fiska, Uroš Matić
Forschungsteam Eisenbahnprojekte:
TMW: Bettina Jernej
Externe Forscherinnen: Michaela Frauwallner (Indien, Namibia), Gudrun Rath (Brasilien)
Technische Umsetzung: semantics Kommunikationsmanagement GmbH

 

FÖRDERER