Die Sonderausstellung More than Recycling zeigt, dass Kreislaufwirtschaft weit mehr bedeutet als Mülltrennung und Wiederverwertung. In vier kurzen Videos geben die Kuratorinnen Einblick in ihre Perspektiven – von Kunststoff und Elektronik über Textilien und Landwirtschaft bis hin zum zirkulären Bauen. Gemeinsam erzählen sie, wie wir heute Ressourcen nutzen – und wie es in Zukunft besser gehen kann.
Im Gespräch mit Helene Wagner, Pamela Heilig, Sophie Gerber und Maria Prantl
Wie erzählt man Kreislaufwirtschaft?
Do 12. März 2026
Vier Perspektiven, ein gemeinsames Ziel: Den inhaltlichen Rahmen setzt Kuratorin Helene Wagner. Für sie beginnt Kreislaufwirtschaft mit einem Bewusstseinswandel. Es geht nicht nur um technische Innovationen, sondern um neue Denkweisen für ein zirkuläres System. Anhand von Kunststoff und Elektronik macht sie deutlich, wie sehr lineare Produktions- und Konsummuster unseren Alltag prägen – und welche ökologischen Folgen daraus entstehen. Gleichzeitig betont sie: Nahrung, Kleidung, Kunststoff und Elektronik betreffen uns alle. Wer Kreislaufwirtschaft vermitteln will, muss Probleme klar benennen und zugleich konkrete Lösungen aufzeigen.
Genau hier setzt das Textil-Kapitel an. Kuratorin Pamela Heilig richtet den Blick auf die globalen Verflechtungen unseres Kleiderkonsums. Von der Rohstoffgewinnung über Produktion und Überproduktion bis hin zu Fast Fashion und Recycling zieht sich ein roter Faden der Ausbeutung durch den gesamten Produktlebenszyklus. „More than Recycling“ bedeutet in diesem Kontext vor allem: Vermeidung statt bloßer Verwertung. Nachhaltige Entscheidungen beginnen nicht am Ende, wenn ein Kleidungsstück entsorgt wird, sondern viel früher – bei Design, Produktion und Kauf.
Einen noch grundsätzlicheren Zugang wählt Sophie Gerber mit ihrem Fokus auf die Landwirtschaft. Im Zentrum steht der Boden – eine unserer wichtigsten Ressourcen. Wasser-, Nährstoff- und Nahrungskreisläufe sind untrennbar mit ihm verbunden. Historische und aktuelle Entwicklungen zeigen, wie stark der Mensch diese Kreisläufe verändert und gestört hat. Doch die Ausstellung macht auch deutlich: Was aus dem Gleichgewicht geraten ist, kann wieder ins Gleichgewicht gebracht werden. Kreislaufdenken in der Landwirtschaft heißt, natürliche Prozesse zu verstehen, zu respektieren und aktiv zu fördern.
Während Landwirtschaft, Textilien oder Elektronik oft als getrennte Themen erscheinen, führt Maria Prantl sie auf eine strukturelle Ebene: das Bauen. Sie betont, dass die größte Hebelwirkung bereits in der Planungsphase liegt. Wer Gebäude von Anfang an zirkulär denkt, berücksichtigt alle Lebensphasen – von der Nutzung über Umnutzung bis zum Rückbau. Materialien werden nicht zu Abfall, sondern zu Ressourcen zukünftiger Projekte. Zugleich stellt sie eine gesellschaftliche Grundsatzfrage: Warum besitzen wir so viel, anstatt mehr zu teilen? Kreislaufwirtschaft ist damit nicht nur eine technische, sondern auch eine kulturelle Herausforderung.
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