Do 19. März 2026
Museen, das sind Kunst, Kultur und Geschichte. Und doch sind sie auch komplexe Systeme, in denen jeder Schritt CO2-Emissionen verursacht: von der Beleuchtung über Objekttransporte bis hin zum Museumscafé. Das TMW übernimmt Verantwortung und macht seine Emissionen messbar. Denn nur, wer seinen CO2-Fußabdruck kennt, kann ihn auch reduzieren. Die Bilanzierung ist für uns ein wichtiger  Schritt auf dem Weg zu einem klimafreundlicheren Museum.
Eine CO2-Bilanz ist weit mehr als eine Zahl: Sie zeigt, wo Emissionen entstehen, und macht Handlungsbedarf sichtbar. Nach dem internationalen Standard des Greenhouse-Gas-Protokolls erfassen wir alle direkten und indirekten Emissionen. So lassen sich die größten Verursacher identifizieren und gezielte Maßnahmen einleiten.

Techniktools: Wie messen wir?
Unser Problem war: Der Museumsbetrieb kann mit den herkömmlichen Tools kaum bilanziert werden, Objekttransporte, Ausstellungsbau – für museale Anforderungen gab es zum Projektstart 2022 noch keine sinnvollen Bilanzierungstools, um diese spezifischen Gegebenheiten messbar zu machen.

Die Lösung: In Kooperation mit anderen Bundesmuseen und der Universität für Bodenkultur haben wir bei der Entwicklung eines Tools mitgewirkt, das spezifisch auf die Bilanzierung von Museen zugeschnitten ist und möglichst viele relevante Emissionsquellen erfasst. Dieses Tool wurde nun durch das BMWKMS für alle Museen öffentlich zugänglich gemacht und unsere Strategie zur Erhebung wird laufend analysiert, überarbeitet und verbessert. So erhalten wir eine immer realistischere Darstellung unserer Emissionen. Und wir können unsere Erfolge und Entwicklung ablesen.

Nahaufnahme einer Wiese mit blühendem Löwenzahn im Vordergrund. Dahinter ist das große, blaue Logo „tmw“ des Technischen Museums Wien vor der hellen, klassizistischen Fassade des Museumsgebäudes zu sehen. Ein großer Laubbaum rahmt die linke Bildseite ein.: Nachhaltigkeit ist ein ...
Nachhaltigkeit ist ein ...
Eine fächerförmige Photovoltaik-Anlage in Form einer dunklen Blume (SmartFlower) steht auf dem Vorplatz des Technischen Museums Wien. Im Hintergrund ist die prachtvolle, weiße Architektur des Museums mit Säulen, Rundbogenfenstern und einer markanten Dachkuppel unter blauem Himmel zu sehen.: ... zentrales Anliegen des Museums
... zentrales Anliegen des Museums
Detektivarbeit: Was ermitteln wir?
Oftmals ist es gar nicht so leicht festzustellen, was für die Bilanzierung relevant ist und wo wir eine Grenze ziehen müssen. Eine zu enge Grenze läuft Gefahr, die Bilanz zu verfälschen, eine zu weite kann zu komplexen und schwer überprüfbaren Daten führen.

Wir bilanzieren:
  • Energieverbräuche wie Strom, Gas und Wärme
  • Mobilität unserer Objekte, Besucher:innen und Mitarbeiter:innen sowie unseren E-Fuhrpark
  • Materialverbrauch wie Einkäufe der IT, des Shops, des Restaurants sowie den Papierverbrauch und Ausstellungsbau
Nach der Ermittlung der relevanten Emissionsquellen beginnt die eigentliche Arbeit: Wo verstecken sich die Daten, wer kann sie auslesen und wie kann man sie in das notwendige Bilanzierungsformat umwandeln? Um aus den verstreuten Informationen ein klares Bild zu schaffen, ist gute Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen und gedankliche Flexibilität gefragt.

Jedes Ende ist ein neuer Anfang
Die Summe aller Zahlen erzählt uns dann eine Geschichte: Mit ihr lassen sich Trends aus den Vorjahren nachvollziehen, Fortschritte sichtbar machen und der Bilanzierungsprozess lässt sich gezielt weiterentwickeln. Wir erkennen zum Beispiel, dass unsere Maßnahmen zur Senkung der Bürotemperaturen spürbare Auswirkungen hatten, dass die vielen Zugreisen tatsächlich einen Unterschied machen – und dass wir wohl noch ein wenig tiefer graben müssen, um die verschollene Papierquelle aufzuspüren, da es in einem Museum mit mehr als 240 Mitarbeiter:innen nicht immer nachvollziehbar ist, wer aller Papier kauft, verbraucht, druckt oder Materialien beauftragt.

Best Practices:  Was Museen heute schon besser machen
Weltweit gibt es viele großartige Beispiele, wie Museen klimabewusst kuratieren, bauen, wirtschaften und so versuchen, Klima und Kultur zu versöhnen. Die kreativen Lösungen begeistern und verdienen einen eigenen Artikel. Stellvertretend sind hier drei Beispiele genannt:

  • Das Guggenheim Museum Bilbao zeigt eindrucksvoll, wie ein Kunstmuseum systematisch, strategisch und kreativ den Prozess zum grünen Museum gestalten kann. Ausstellungen mit Klimafokus, Workshops, infrastrukturelle Maßnahmen, die den Sonnenstand nutzen, und reduzierte Ausstellungsarchitektur führen zu weltweiter Beachtung.
  • Das Charles H. Wright Museum of African American History in Detroit zählt zu den nachhaltigsten Museen in den USA. Neben technischen Maßnahmen wie der Planung energieeffizienter Maßnahmen, ist das Museum aktiv mit Partnern in der Regenwassernutzung und in der nachhaltigen Stadtteilentwicklung im Austausch. Dieses Museum schafft es, die Community in Think Tanks, Green Town Halls (Austauschforen auf kommunaler Ebene) und kreativen Projekten einzubinden und zu aktivieren.
  • Im Technischen Museum Wien zeigen wir an einer Vielzahl an umgesetzten Maßnahmen, wie ein technikorientiertes Museum ökologische, soziale und ökonomische Nachhaltigkeit ganzheitlich umsetzen kann – von technischen Optimierungen über themenrelevante Ausstellungen und Vermittlungsformate bis hin zur Verankerung der Nachhaltigkeit im Leitbild des Museums. Unseren bereits umgesetzten Projekten haben wir bereits einen eigenen Artikel gewidmet.

Die Zukunft: CO2-neutrale Kulturstätten?
Die Vision ist klar: Museen als Orte der Bildung und Inspiration sollen auch Vorbilder im Klimaschutz sein. Mit grüner Architektur, klimaneutralen Ausstellungen, Green Events, Partnerschaften mit nachhaltigen Dienstleistern und den Besucher:innen als Mitgestalter:innen der Klimawende entsteht eine neue Rolle für Museen: als Impulsgeber der ökologischen Transformation. Wir sollen Museen als kreative Orte denken, in denen Nachhaltigkeit offen, inklusiv und visionär gelebt wird. Kultur hat die Kraft, Zukunft zu gestalten – und so auch das Klima.

Fazit: Nachhaltigkeit als Haltung
CO2-Bilanzierung ist kein bürokratischer Akt, sondern ein kreativer Prozess. Sie fordert Museen heraus, ihre Arbeitsweise zu reflektieren und neu zu denken. Und sie eröffnet die Chance, Kultur und Klimaschutz zu verbinden – nicht als Widerspruch, sondern als gemeinsame Mission.