Seit 2020 widmet sich das Technische Museum Wien der Erforschung seiner Sammlungs- und Archivbestände aus kolonialem Erwerbskontext.
Die Forschungsarbeit basiert auf einer vom BMKÖS geförderten Projektreihe zur kolonialen Provenienzforschung an österreichischen Bundesmuseen. Projektpartner sind das MAK Wien, das Naturhistorische Museum Wien und das Weltmuseum Wien. Die beteiligten Museen verfolgen dabei unterschiedliche Forschungsfragen.

Das Forschungsprojekt „Koloniale Infrastrukturen“ am Technischen Museum Wien untersucht 2022–2024 koloniale Infrastruktur- und Verkehrsprojekte, bei denen österreichische Beteiligungen bei Planung/Bau oder aber durch direkte/indirekte Verwertungsinteressen nachweisbar sind. Vier Kolonialprojekte, die in den hauseigenen Archiven für österreichische Technikgeschichte und für Eisenbahngeschichte dokumentiert sind, bilden den Ausgangspunkt der Beforschung: der Suezkanal in Ägypten, die Otavibahn in Namibia, die North Western Railway in Indien und die Dom Pedro II.-Bahn in Brasilien.

Projektziele:

  • die weitere Offenlegung des „österreichischen Kolonialismus ohne Kolonien“ unter besonderer Berücksichtigung der Rolle von technischen Museen als strukturelle Verstärker von kolonialrassistischen Machtverhältnissen und als Akteure in kolonialen Netzwerken
  • die Erforschung von kolonialen Unrechtskontexten und Ausbeutungsverhältnissen (Versklavung, Zwangsarbeit u. ä.) bei Planung, Bau und/oder Betrieb, aber auch von Widerstandsstrategien, deren Auswirkungen und Rezeption
  • die Diskurserweiterung und Vernetzung mit aktuellen Empowerment-Bewegungen zu nachhaltigen Wechselwirkungen zwischen Kolonialismus, der Ausbeutung der Landschaft und irreversiblen ökologischen Auswirkungen vor Ort (Decolonial Ecology)
  • die kritische, institutionsübergreifende Auseinandersetzung mit Zeige- und Ausstellungspolitiken im Umgang mit diskriminierenden Objekten und Archivalien
  • die konservatorische und restauratorische Sicherung der betroffenen Archivbestände

Zentral für das Projekt sind auch die Erarbeitung eines rassismuskritischen Vokabulars für die Verwendung in der Museumsdatenbank, der internationale Austausch im Rahmen der Decolonial Summer School am Technischen Museum Wien und die Einbindung eines Scholars in Residence mit starkem Gegenwartsbezug.

2020/21 widmete sich das Technische Museum Wien im Projekt „Kautschuk – Kaffee – Kakao. Technikgeschichte als koloniale Wirtschaftsgeschichte“ der Beforschung von Rohstoffen aus kolonialem Kontext in der Sammlung des Museums. Rohstoffe sind wichtige Dokumente für die europäische Wirtschafts-, Handels- und Wissensgeschichte, ermöglichen Rückschlüsse auf potenzielle Ausbeutungsverhältnisse und stehen exemplarisch für Objekte aus kolonialem Kontext in europäischen Technikmuseen.

Die Projektergebnisse aus dem Technischen Museum Wien wurden 2022 gemeinsam mit den zeitgleich entstandenen Forschungsberichten anderer österreichischer Museen im Sammelband „Vom Winterpalast nach Tierra del Fuego. Koloniale Erwerbungen für Österreich?“, herausgegeben von Pia Schölnberger (BMKÖS), publiziert.

 

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