• durchsetzen Bereich Mobilität © Technisches Museum Wien, Foto: Klaus Pichler
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Mobilität
Themeninsel in der Ausstellung Mobilität

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Wie Josef Ressel gegen den Strom schwamm

Die historische Frachtschifffahrt auf Flüssen war ein mühsames Unterfangen. Dampfschiffe kamen erst ab den 1840er Jahren auf. Bis dahin transportierten die Schiffleute Rohstoffe und Waren flussabwärts auf Ruderkähnen. Flussaufwärts jedoch mussten Menschen oder Tiere die Schiffe vom Ufer aus in sogenannten Schiffszügen gegen den Strom ziehen.

Bis in die 1820er Jahre suchten Techniker und Erfinder nach einer Möglichkeit, Schiffe allein durch die Fließkraft des Stromes flussaufwärts zu bewegen. Man wollte sich also die Kraft des Stroms zunutze machen, sie mechanisch umwandeln und als Antriebskraft einsetzen. Es entstanden zahlreiche Entwürfe für „stromaufwärtsfahrende Boote“. Diese gehören jedoch in den Bereich der Techniklegenden. Auch der Universalerfinder Josef Ressel (1793–1857) verfolgte zunächst diese Idee, erkannte aber bald die Notwendigkeit eines Antriebs mit einer Dampfmaschine, wie wir in der Ausstellung "Mobilität" anhand einer Patentschrift zeigen.

Josef Ressel gilt gemeinhin als Erfinder der Schiffsschraube. Doch er war nicht der einzige. Zeitgleich wurden viele ähnliche Patente angemeldet. Sein Patent stammt von 1827. Den Beweis für das Funktionieren seiner Schraube wollte er 1829 erbringen, doch die Vorführung mit der dafür adaptierten Civetta im Hafen von Triest scheiterte: Es platzte ein Dampfrohr und Ressels Financier Carlo d’Otto Fontana zog sich daraufhin zurück. Ressels Privileg erlosch 1830. Die erhaltenen Maße der legendären Civetta sind übrigens nicht verbürgt. Schiffsbaumeister Vincenco Zanon veröffentlichte sie erst 1858, drei Jahrzehnte nach der Testfahrt und ein Jahr nach Ressels Tod.

Der in Böhmen geborene Josef Ressel ist für die einen ein Tscheche, die anderen ein Österreicher, Slowene oder Kroate. Technikpioniere wurden immer wieder in den Dienst der nationalen Sache gestellt, technische Museen unterstützten diese Vereinnahmung. Die Büste für die Forstakademie Mariabrunn, seit 1909 in der Sammlung des Technischen Museums, ehrte Ressel in seinem Brotberuf als k.k. Forstbeamten und nicht als Erfinder.

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