• erster sein Bereich Mobilität © Technisches Museum Wien, Foto: Klaus Pichler
Ausstellung
Mobilität
Themeninsel in der Ausstellung Mobilität

erster sein

Über die ältesten Fahrzeuge im Technischen Museum Wien

Die Frage, wer der (viel seltener die) erste war, der etwas entwickelte, herstellte und gebrauchte, beherrschte lange Zeit das Sammeln und Ausstellen in Technikmuseen. Die Museen konkurrierten darum, als erste die ersten Fahrzeuge zu präsentieren. Dabei ging manchmal sogar der Blick für die Fakten verloren. Die folgenden  Fahrzeuge gehören zu den ältesten der Sammlung Straßenverkehr im Technischen Museum Wien und sind in der Ausstellung "Mobilität" zu sehen. Sie dokumentieren die Bemühungen von Museen, Pioniere zu finden und zu definieren. Zugleich stellen sie die Eindeutigkeit im technischen Entwicklungsprozess infrage. Sie erzählen von den vielen Personen, die getüftelt und konstruiert, produziert und verkauft, gekauft und genutzt haben. Sie erzählen aber auch von verpassten Chancen, von Konkurrenzen und Parallelentwicklungen.

Das erste Automobil der Welt

Siegfried Marcus (1831–1898) kam aus einer jüdischen Familie in Mecklenburg und war in Wien als Erfinder elektrischer Zündapparate tätig. 1898 präsentierten die österreichischen Automobilhersteller den Marcus-Wagen als "erstes Automobil der Welt". Lange wurde über diese Datierung gestritten: Siegfried Marcus und Carl Benz arbeiteten zeitgleich und unabhängig voneinander an einem Automobil. Carl Benz stellte seinen Patent-Motorwagen 1886 vor. Der Marcus-Wagen wird mittlerweile auf 1888/1889 datiert.

Das erste fabrikmäßig hergestellte Benzin-Automobil in Österreich

1911 suchte das Neue Wiener Tagblatt das älteste Automobil in der Monarchie. Der Bregenzer Marinemaler Eugen Zardetti erklärte, am 19. März 1893 einen Benz Victoria Vis-à-Vis direkt in Mannheim gekauft zu haben. Sofort versuchte das Technische Museum Wien, dieses Fahrzeug für die Sammlung zu erwerben. Nach dem Tod Zardettis im Jahr 1926 entschied die Familie, das Automobil dem Museum zu überlassen. Es bekam den Titel „erstes fabrikmäßig hergestelltes Benzin-Automobil in Österreich“.

Die erste Automobil-Fabrik der Monarchie

Die Nesselsdorfer Wagenbau-Fabriks-Gesellschaft im mährischen Kopřivnice baute seit 1850 Kutschen und Waggons. 1897 stieg das Unternehmen in den Automobilbau ein und präsentierte 1898 ihr erstes Kraftfahrzeug, den Nesselsdorf Präsident (Prezident). Er galt als erstes fabrikmäßig gebautes Automobil Österreich-Ungarns. Als 1899 dieses Nachfolgemodell auf den Markt kam, warb Nesselsdorfer damit, „erste und älteste Automobil-Fabrik der Monarchie“ zu sein. Die Fabrik war damals zwei Jahre alt.

Der erste transmissionslose Wagen der Welt

Ab 1897 stellte die Wiener Hofwagenfabrik Jacob Lohner & Co. Automobile her. An der Entwicklung der Elektromobils System Egger-Lohner war der junge Ferdinand Porsche, ein Angestellter Béla Eggers, beteiligt. 1899 beschloss Lohner, Porsches Idee eines Radnabenmotors aufzugreifen, und kündigte Egger die Zusammenarbeit. Der Lohner-Porsche wurde 1900 auf der Pariser Weltausstellung als „erster transmissionsloser Wagen der Welt“ ausgezeichnet. Es war gleichsam der „erste Porsche der Welt“.

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