• fliegen Bereich Mobilität © Technisches Museum Wien, Foto: Klaus Pichler
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Mobilität
Themeninsel in der Ausstellung Mobilität

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Was der Lilienthal-Gleiter und eine Boeing 737 gemeinsam haben

Zu fliegen wie ein Vogel – sich mit eigener Kraft vom Boden zu erheben, zu steuern, zu landen und zu starten, wo und wann man will –, das war im 19. Jahrhundert der Traum der Luftfahrtpioniere mit ihren waghalsigen Flugapparaten. Otto Lilienthal versuchte in der Entwicklung seiner Gleiter den Vogelflug streng systematisch nachzuahmen. Mit seinem Buch „Der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst“ (1889) beeinflusste er Generationen junger Flugenthusiasten. Von 1889 bis zu seinem Tod im Jahr 1896 konstruierte Lilienthal insgesamt 18 Gleiter, die er ab 1894 auf dem von ihm eigens errichteten 15 Meter hohen Fliegeberg in Berlin-Lichterfelde testete. 1896 verunglückte er beim Absturz mit einem Gleiter tödlich.

Auch der österreichische Flugpionier Igo Etrich war von Lilienthals Arbeit inspiriert. Seine Etrich-Taube ist in der Mittelhalle des Museums zu bewundern. 1898 erwarb er zwei der Lilienthal-Gleiter zu Studienzwecken. Dem Technischen Museum Wien überließ er 1915 das Sturmflügelmodel. In der Ausstellung "Mobilität" wurde für diesen einzigartigen Gleiter, dessen Flügel mit lichtempfindlichen Leintüchern und alter Wäsche bespannt sind, eine neue Vitrine produziert, durch die der Gleiter besser vor Klimaschwankungen und Lichteinfall geschützt ist. Auf Augenhöhe können unsere Besucherinnen und Besuchern die fragile Schönheit dieses Gleiters bewundern und sich selbst die Frage stellen, ob sie es gewagt hätten, sich mit diesem Fluggerät vom Berg zu stürzen.

100 Jahre später stellt uns der weltweite, ständig wachsende Luftverkehr vor gänzlich andere technische Herausforderungen. Eines der aktuellen Ziele ist die Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs. Anhand eines Winglets zeigen wir in der Ausstellung einen Lösungsansatz: Mit Winglets an den Tragflügelenden können bis zu 6% des Kraftstoffs eingespart werden, wodurch beispielsweise die Reichweite einer Boeing 737NG um 140 km oder die Zuladung um 1,1 t erhöht werden können. Hergestellt werden die Baukomponenten in Leichtbauweise bei der oberösterreichischen Firma FACC AG, die seit 1989 weltweit alle großen Flugzeughersteller beliefert. Die Winglets sind – wie schon Otto Lilienthals Gleiter – vom Vogelflug inspiriert: Auch viele Vogelarten verfügen über lange Schwungfedern, die fächerförmig und in der Höhe gestaffelt gespreizt werden, um damit die Aerodynamik im Flug zu verbessern.

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