Motorsportgeschichte

Zweite Republik

Die Veranstalter

1946 vereinten sich der Österreichische Automobil-Club und der Österreichische Touring-Club zum ÖAMTC, bei dem auch die Oberste Nationale Sportkommission angesiedelt wurde, die den österreichischen Motorsport bei der FIA vertritt. Der ÖAMTC war der mit Abstand bedeutendste Motorsport-Veranstalter in Österreich und organisierte u. a. 1950 nach zwanzig Jahren Unterbrechung wieder einen „Großen Preis von Österreich für Motorräder“ in Vorarlberg, der aber ein einmaliges Ereignis blieb. 1949 wurde mit der Wiederaufnahme der jetzt Internationalen Österreichischen Alpenfahrt die Rallye-Szene wieder belebt. In Konkurrenz zum ÖAMTC übernahm der ARBÖ im Jahr 1950 das drei Jahre zuvor begründete Auto- und Motorradrennen auf der Autobahn Salzburg Liefering. Der ÖAMTC hatte zuvor weiterhin die Motorradrennen forciert – 1950 waren von 72 im Sportkalender angekündigten Rennveranstaltungen 59 für Motorräder – und verbot 1956 Straßenrennen für Automobile. 1955 und 1956 gab es zeitgleich beim berühmten Le Mans-Rennen in Frankreich und bei der Mille Miglia in Italien tödliche Unfälle. Nachdem es in diesem Umfeld zu einer beobachtbaren Stagnation bei den Automobilrennen gekommen war, entstand Ende 1956 mit dem Österreichischen Automobil-Sport-Club ein neuer Veranstalter, dem es gelang, mit dem Flugplatzrennen in Wien-Aspern, der Internationalen Semperit-Rallye und dem Gaisbergrennen die Szene neu zu beleben. Die treibenden Kräfte der Neugründung waren Willy Löwinger als Präsident, Ernst Vogel als Vizepräsident und Martin Pfundner als Schriftführer. Als Rallyeveranstalter trat in der Folge auch noch der 1960 gegründete RRC 13 (Recent Racing Club) auf, für welchen Jochen Rindt seine ersten Rennen bestritt.

Motorradrennen

Motorsport nach dem Zweiten Weltkrieg bedeutete, so wie in der Zwischenkriegszeit, vor allem Motorradsport. Bis Ende der 1950er-Jahre lagen die jährlichen Zulassungszahlen in Österreich für Motorräder noch vor jenen der Automobile. Es gab zwar weiterhin Aschen- und Sandbahnrennen, aber an ihre Stelle traten im Laufe der 1950er-Jahre immer mehr die Auto- und Motorradstraßenrennen in den Städten.

Eine neue attraktive Disziplin waren nunmehr die seit den 1920er-Jahren in England bekannten Speedway-Rennen auf Rundkursen in Stadien. Die umjubelten Stars dieser Szene waren u. a. Fritz Dirtl, Leonhard Faßl, Rupert Hollaus und Josef Kamper. Seit Mitte der 1950er-Jahre entwickelten sich Motocross-Veranstaltungen im Gelände auf kurzen Rundkursen zu einer bei den BesucherInnen beliebten Disziplin. Als „Großer Preis von Österreich im Motocross“ konnte sich Sittendorf als Austragungsort für Europa- und Weltmeisterschaftslauf etablieren.

Rallyes

Zwar hatte der ÖAMTC mit der Internationalen Österreichischen Alpenfahrt nach der Unterbrechung durch den Zweiten Weltkrieg die Rallyeszene wiederbelebt, aber er legte den Fokus auf die Beteiligung von Motorradfahrern. Mit Unterstützung der traditionsreichen österreichischen Reifenfirma gelang 1957 dem neugegründeten Österreichischen Automobil-Sport-Club mit der Internationalen Semperit-Rallye ein erfolgreicher Neustart für die Rallye-Automobilisten. In der ersten Hälfte der 1960er-Jahre beantwortete der ÖAMTC die neue Konkurrenz mit der Internationalen Städte-Rallye München-Wien-Budapest, worauf der Österreichische Automobil-Club mit der Internationalen Donau-Rallye reagierte und seit 1964 organisierte der RRC 13 zusätzlich die Internationale Rallye der 1000 Minuten. Damit war ein entsprechendes Umfeld geschaffen, um seit 1966 eine österreichische Rallye-Staatsmeisterschaft auszutragen. Ausgelöst durch die Ölkrise Anfang der 1970er-Jahre war die große Zeit der Rallyes vorbei.

Flugplatzrennen

Ende der 1950er-Jahre war es notwendig geworden, einen Ersatz für Straßenrennen in den Städten zu suchen. Im Jahr 1957 hatte der Österreichische Automobil-Sport-Club die Nase vorne, als er Ende April in Wien-Aspern das erste offizielle Flugplatzrennen organisierte. Im September dieses Jahres startete der Steiermärkische Automobil und Motorsportklub, der regionale Ableger des ÖAMTC, mit Unterstützung des Steiermärkischen Motor-Sport-Clubs Knittelfeld als treibende Kraft, die Serie der Flugplatzrennen in Zeltweg. Auch wenn der Österreichische Automobil-Sport-Club in der Folge noch weitere Flugplatzrennen in Innsbruck, Klagenfurt und Linz veranstaltete, blieb Zeltweg der wichtigste Austragungsort, vor allem nachdem der Rennleiter Martin Pfundner von Aspern dorthin wechselte.1964 wurde in Zeltweg der erste Formel 1-Weltmeisterschaftslauf in Österreich veranstaltet. Der ÖAMTC organisierte ab 1966 noch das Flugplatzrennen Tulln-Langenlebarn. Insgesamt fanden bis 1977 in Österreich 61 Flugplatzrennen statt.

Permanente Rennstrecken

Nachdem bereits Mitte der 1950er-Jahre die Veranstaltung von Straßenrennen wegen des zunehmenden Autoverkehrs eingestellt wurde, stellte sich dieselbe Problematik ein Jahrzehnt später durch die Zunahme des Flugverkehrs auch bei den Flugplatzrennen ein. Als Ausweg aus der Krise entstand die im Ausland bereits früher realisierte Idee einer permanenten Rennstrecke. Dabei kam es wiederum zu einer Konkurrenzsituation zwischen dem Österreichischen Automobil-Sport-Club, der Salzburg, und dem ÖAMTC und seinem steirischen Zweigverein, die Zeltweg bzw. Spielberg favorisierten. Aus dieser Musil’schen Parallelaktion ging die Steiermark als Sieger hervor und konnte am 27. Juli 1969 – zwei Monate vor dem Salzburgring – den Österreichring eröffnen. Ab 1970 wurde hier die Formel 1-Weltmeisterschaft gefahren. Die Salzburger erhielten im Gegenzug 1971 den Zuschlag für die Motorrad-Weltmeisterschaft.

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