Motorsportgeschichte

Zwischenkriegszeit

Der Motorsport entwickelte sich von Anfang an parallel zur Motorisierung. Bereits in den 1890er-Jahren fanden die ersten Motorsport-Veranstaltungen statt. Zu Beginn waren der Adel und das Großbürgertum als Herrenfahrer aktiv. Für die Motorrad- und Automobilhersteller waren solche Rennen Werbung, gleichzeitig aber Erfahrungen für die technische Weiterentwicklung. In der Folge beteiligten sich immer mehr Konstrukteure, z. B. Ferdinand Porsche, sowie professionelle Werksfahrer an den Rennen. In den ersten Jahrzehnten war der Motorsport ein entschieden urbanes Phänomen und symbolisierte die Geschwindigkeit der neuen Zeit. In der Zwischenkriegszeit erreichte der Motorsport das Interesse der breiten Massen. Der Besuch von Motorrad- und Autorennen wurde eine beliebte Freizeitbeschäftigung.

Die Veranstalter

Der Motorsport war von Beginn an vereinsmäßig organisiert. Bis 1938 existierten zwei bürgerliche Vereine: der Allgemeine Automobil-Club, gegründet 1898 und Herausgeber der Allgemeinen Automobil-Zeitung, sowie der Österreichische Touring-Club, gegründet 1897. Die sozialdemokratische Arbeiterbewegung verfügte seit 1899 über den Verband der Arbeiter-Radfahrvereine Österreichs (ab 1926 ARBÖ), der eine Motorfahrer-Sektion eingerichtet hatte. Vor allem bei der Organisation der frühen Automobilrennen hatte der Allgemeine Automobil-Club in Österreich beinahe eine Monopolstellung. Seit 1904 existierte die Association Internationale des Automobile Clubs Reconnus (AIACR), die Vorläuferorganisation der Fédération International de l’Automobile (FIA).

Bergrennen

Abgesehen von den frühen Straßenrennen, etwa 1900 von Salzburg nach Wien oder 1902 von Paris nach Wien, übten bald die Alpenpässe eine besondere Anziehungskraft aus. Die Bergrennen als Zuverlässigkeitsprüfungen für die Automobile hatten in dieser Pionierphase eine entscheidende Bedeutung für die technische Entwicklung der Fahrzeuge, die sich später relativierte, nachdem der Rennsport eigenen Gesetzen folgte und für die allgemeine Motorisierung technisch an Einfluss verlor. Seit der Jahrhundertwende und mit Unterbrechungen bis 1933 waren das Internationale Semmering-Rennen bzw. von 1929 bis 1933 das Gaisbergrennen und 1935 das erste Großglockner-Bergrennen die Aushängeschilder österreichischer Bergrennen. Weitere bedeutende Rennen im Ausland waren das Kesselbergrennen in Bayern und das Klausenrennen in der Schweiz. Bei den Wertungsfahrten (Rallyes) hatten die Österreichischen Alpenfahrten von 1910 bis 1914 und ab 1933 sowie die Internationalen Alpenfahrten von 1928 bis 1936 ein hohes Renommee.

Motorradrennen

Gab es in den 1920er- und 1930er-Jahren auch einige gemeinsame Veranstaltungen für Motorräder und Automobile, dominierte nach dem Ersten Weltkrieg das Motorrad, vor allem das englische, für einige Jahrzehnte die Szene. Zwei spezielle Vereine, die Österreichische Motor-Rennfahrer-Vereinigung mit ihrer Vereinszeitschrift „Der Motorradfahrer“ und der Österreichische Motorfahrer-Verband , teilten sich bis in die 1950er-Jahre diesen Markt. Die Motor-Rennfahrer-Vereinigung organisierte v. a. Bahnrennen, der Motorfahrer-Verband Straßenrennen und Wertungsfahrten. Im Motorradsport entstand auch die Bezeichnung „Großer Preis“. Auf dem „Biedermannsdorfer Kurs“ in Niederösterreich wurde von 1927 bis 1930 ein Sechsstundenrennen als „Großer Preis von Österreich für Motorräder“ veranstaltet. Als größter Erfolg aus österreichischer Sicht galt 1937 der Gewinn des Europameisterschaftstitels im Bahnrennsport durch Martin Schneeweiß auf seiner „Schneeweiß-Spezial". Als Helden am Motorrad gefeiert wurden auch seine Kollegen Leo Benesch, Hermann Gunzenhauser, Leopold Killmeyer, Rudi Runtsch und Josef Walla.

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