• FA-123746 © Technisches Museum Wien, Foto: Peter Sedlaczek
Sammlungsbereich
Produktionstechnik
Sammlungsgruppe
Metallbearbeitung
Ausstellung
Alltag - eine Gebrauchsanweisung
Epoche
1910 - 1919

Büste mit Armprothese, 1914-1917

Mechanische Ersatzglieder als Konsequenz des Maschinenkriegs: Von 1914 bis 1918 wurden Prothesen auch in Ausstellungen gezeigt. Ihre Fertigung erforderte die Zusammenarbeit qualifizierter Fachleute.

Das Technische Museum Wien besitzt rund 70 Prothesen aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. Sie sind überwiegend aus Metall, Keramik, Textilien, Leder und Kunststoff gefertigt. Darunter finden sich Ersatzglieder für Ober- und Unterschenkel sowie für Arme und Hände, ferner Stützen für Hüften, Knie und Sprunggelenke. Eine Hose und eine Jacke haben Schnürvorrichtungen für Armamputierte, ein Armstumpf ist mit einem Waschlappen versehen. Mehrere dieser Prothesen besitzen ferner Halterungen für Werkzeuge des täglichen Bedarfs, etwa für Essbestecke oder Bleistifte. Ein Teil der Prothesen stammt aus einem Reservistenspital in der Gassergasse 44 (1050 Wien), ein anderer aus einer Kriegsinvaliden-Lehr- und Versuchsanstalt in der Mollardgasse 87 (1060 Wien).

Der Erste Weltkrieg forderte nicht nur mehrere Millionen Tote, eine Unzahl von Menschen kehrte auch mit schweren körperlichen, geistigen und seelischen Schäden aus den Kampfhandlungen zurück. Sie mussten wieder in den Alltag eingegliedert werden. Zu diesem Zweck befassten sich Spezialisten mit der Konstruktion geeigneter Prothesen. Dabei standen Beinprothesen im Zentrum der Aufmerksamkeit, da auf ihnen die Last der Körper ruhte. Feldchirurgen mussten daher bereits bei der Amputation von Beinen versuchen, einen tragfähigen Stumpf zu erzielen, an dem später eine Prothese befestigt werden konnte. Für die oberen Extremitäten entstanden als Ersatzglieder unter anderem praktisch einsetzbare „Arbeitshände“ sowie „Sonntagshände“ mit ästhetisch-kosmetischer Funktion. Denn über die rein physischen Schäden hinaus verursachte der Verlust von Körperteilen auch schwere seelische Belastungen und erschwerte den Betroffenen die Partnersuche und die Familiengründung.


Herstellungszeit: 1914-1917

Inv.Nr. 33923
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