• FA-116589 © Technisches Museum Wien, Foto: Peter Sedlaczek
  • FA-122657 © Technisches Museum Wien, Foto: Peter Sedlaczek
Sammlungsbereich
Produktionstechnik
Sammlungsgruppe
Textilien und Bekleidung
Ausstellung
IN ARBEIT
Epoche
1900 - 1909

Daumennagelschutz, Ende 19. Jh.

Die industrialisierte Arbeitswelt birgt eine Reihe neuer Gefahren: Dampfkessel explodieren, Säuren zerfressen Körper, Treibriemen reißen Gliedmaßen ab. Auch kleinere Unannehmlichkeiten fordern Tribut.

Dieser einfache und formschöne Daumennagelschützer ist mit einer erläuternden Beschreibung aus der Zeit seiner Herstellung versehen. Da heißt es: „Derselbe dient zum Stoffumbiegen bezw. Streifen von langen Falten bei der Kragen u. Manchettenfabrikation. Wenn lange Streifen genäht werden, ist der Stoff umzubiegen und hat sich bei Näherinnen in verhältnismässig kurzer Zeit der Nagel abgestreift bezw. war auch die Haut an der oberen Spitze des Daumens so dünn, dass die Arbeit Schmerzen verursachte. Durch den vorliegenden, fingerhutartigen Schutz, welcher der Arbeiterin nicht das Gefühl des Daumens bei der Arbeit benimmt, kann der Daumennagel nicht mehr laidirt werden.“

Im 19. Jahrhundert entstand die moderne Arbeitsmedizin. In ihrem Gefolge etablierte sich die „Gewerbehygiene“ als eine Disziplin, um die Gesundheit der Arbeitenden zu schützen und Vorkehrungen gegen Unfälle zu treffen. Zu ihren Befürwortern in Österreich zählte Franz Migerka, einer der ersten Gewerbeinspektoren. Er inspirierte in Wien den Aufbau einer Sammlung von Objekten zum Unfallschutz. Sie fanden 1890 Eingang in ein „Gewerbe-hygienisches Museum“. Dessen Träger war ein Verein, dem viele Industriebetriebe angehörten. Auch die Arbeiter-Unfallversicherungsanstalten förderten das Museum. Um 1910 zählte die Einrichtung mehr als 600 didaktische Modelle sowie eine größere Zahl von Bildern und Unterlagen zur „Arbeiterwohlfahrt“. Dabei handelte es sich um betriebliche Sozialleistungen, sie umfassten etwa Fabriksküchen und Spitäler, Wohnhäuser und Erholungsanlagen sowie Einrichtungen für die Kinder der Beschäftigten. Die Bestände der Institution gingen alsbald an das in Gründung begriffene Technische Museum Wien über.


Entstehungszeit: Ende 19. Jh.

Spender: F. Peter’s Nachfolger, Wien

Inv.Nr. 60454
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