Durchlauferhitzer, Godesia Wandbadeofen B 50

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Die Wiener Gaswerke übergaben dem Museum oft moderne Gasgeräte für ihre Ausstellungskoje. Im August 1938 lieferten sie einen neuen Durchlauferhitzer. Auf dem Lieferschein stand: „von Ernst Sonnenschein, Annagasse 3, Wien I“.

Am 4. August 1938 wurde im Inventar des Technischen Museums Wien unter der Nummer 15.455 ein „Heißwassererhitzer, Therme I kompl.“ als Leihgabe der Gemeinde Wien, Städtische Gaswerke verzeichnet. Durch einen Schenkungsvertrag mit den Wiener Gaswerken vom 23.3.2007 ging dieses Objekt in das Eigentum des Technischen Museums Wien über.

In den 1930er Jahren hatten die Wiener Städtischen Gaswerke im Museum lange Zeit eine eigene Ausstellungskoje, in der sie zu Werbezwecken aktuelle Gasgeräte präsentierten. Diese kamen als Leihgaben ins Technische Museum und wurden nach einiger Zeit durch neue Geräte ersetzt. Die Übergabe dieses Durchlauferhitzers im August 1938 war daher nichts Ungewöhnliches. Auffallend war jedoch, das auf dem Grundblatt der Vermerk „v. Ernst Sonnenschein, I, Annagasse 3a“ angelegt wurde. Offenbar stammte das Gerät aus dieser Wohnung und damit aus dem Besitz des Wohnungseigentümers.

In der Wohnung Annagasse 3a/1/16 war der am 21.7.1903 in Wien geborene jüdische Kaufmann Ernst Sonnenschein polizeilich gemeldet. Diesem gelang es im September 1938, aus Wien ins Ausland zu flüchten. Seine Mutter Josefine Sonnenschein, geboren am 17.4.1885, wurde am 14.9.1942 nach Maly Trostinec deportiert und dort am 18. September 1942 ermordet. Von Ernst Sonnenschein ist nur bekannt, dass er nach dem Krieg in Frankreich lebte, wo er in den 1960er Jahren verstarb. Durch den Schenkungsvertrag ist es erst möglich geworden, das Objekt zu restituieren, da laut Gesetzestext nur Objekte im Eigentum des Bundes unter das Kunstrückgabegesetz fallen. Im Jahr 2011 konnte ein in Niederösterreich lebender entfernter Verwandter Sonnenscheins ausfindig gemacht werden. Der Erbe war damit einverstanden, dass das Technische Museum Wien den Durchlauferhitzer auf Grundlage des Wertgutachtens eines Sachverständigen ankaufte. So ist er nun weiterhin, mit einer Zusatztafel zu seiner Geschichte versehen, in der Dauerausstellung „Alltag – eine Gebrauchsanweisung“ zu sehen.



Inv.Nr. 15455
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