• FA-108497 © Technisches Museum Wien, Foto: Peter Sedlaczek
Sammlungsbereich
Verkehr
Sammlungsgruppe
Straßenverkehr
Ausstellung
Mobilität
Epoche
1850 - 1899

Englisches Hochrad Rudge, 1885

Hochradfahrer waren die „Könige der Landstraßen“. Wer auf diesen Fahrrädern unterwegs war, benötigte Gleichgewichtssinn und Mut. Der Fall vom Rad war nicht ganz ungefährlich.

Das Vorderrad mit dem großen Radius hatte den Vorteil, dass mit einer Umdrehung des Rades ein langer Weg zurückgelegt werden konnte. Außerdem waren die Hochradfahrer auf Augenhöhe mit den Fuhrwerken und Pferden auf der Straße. Der Nachteil war die Sturzgefahr aus fast 1,60 Meter Höhe.

Verletzungen und Knochenbrüche gehörten zum Risiko des Hochradfahrens. Beim Sturz kopfüber drohte sogar der Genickbruch. Auch der Aufstieg auf das Hochrad war eine Kunst für sich: Während er mit dem einen Fuß auf einem kleinen Tritt oberhalb des kleineren Hinterrades stand, musste der Radfahrer das andere Bein über das hohe Vorderrad schwingen – ohne umzufallen.

Es waren vor allem junge, wohlhabende Männer, die sich am Hochrad versuchten. Sie hatten die Zeit und das Geld, sich dieses teure Hobby zu leisten. Auf der Straße wurden sie nicht immer gerne gesehen: Pferde erschreckten vor dem lautlosen Gefährt, Fuhrwerkslenker und Passanten ärgerten sich über riskante, schnelle Fahrer.

Das Hochrad der Firma D. Rudge aus Coventry/England war ein sorgfältig gefertigtes Tourenmodell mit exklusiver Ausstattung. Die Lampe stammt von der Firma Joseph Lucas & Son, der Sattel ist von der heute noch bekannten Fahrradsattelfirma Brooks. Der Vollgummireifen ist ein „Hancock's patent non-slippery“. Coventry war damals das Zentrum der Fahrradindustrie. Englische Fabrikate dominierten beim Hochradfahren und verliehen dem Radfahrsport Exklusivität.

Zu Beginn der 1890er-Jahre setzte mit dem „Niederrad“, dem Fahrrad mit gleich großen Rädern, der Niedergang des Hochrads ein. Dank Kettenübersetzung und Luftreifen waren die Radfahrer auf dem „safety“ (Sicherheit) genannten Niederrad schneller und sicherer unterwegs.


Inv.Nr. 480
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