Etrich-II „Taube“, Baujahr 1910

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Technisches Museum Wien, Foto: Peter Sedlaczek
Nachbau der Natur: Ausgehend von einem Kletterpflanzensamen entwickelt Franz Xaver Wels einen Nurflügel-Gleiter. Mit einem Gitterrumpf wird schließlich ein erfolgreiches Motorflugzeug daraus.

Nach dem tödlichen Unfall des deutschen Flugpioniers Otto Lilienthal wollten Igo Etrich (1879 - 1967) und sein Vater einen möglichst sicheren motorbetriebenen Flugapparat entwickeln. 1900/1901 bauten sie nach eigenen Ideen einen Rampenstartgleiter, der jedoch nicht funktionierte. 1903 stellten sie den jungen Ingenieur Franz Xaver Wels (1873 - 1940) zum Studium der Literatur an. Er beschäftigte sich eingehend mit Formen und Strukturen aus der Natur und studierte dazu nicht nur Flügel von Vögeln, Fledermäusen und Insekten. Auch der Aufbau des Samens der auf Java wachsenden „Zanonia macrocarpa“ weckte sein Interesse.

1905 baute er einen kleinen Zanonia-Gleiter mit gegenläufigen Luftschrauben und einem 3,5-PS-Fahrradmotor. Für ein Auffliegen war er allerdings zu schwach. Am 02.10.1907 absolvierte Franz Wels mit dem adaptierten manntragenden Gleiter den Erstflug und erhielt schließlich ein Patent für das Nurflügel-Motorflugzeug.

Nach dem Zerwürfnis zwischen Etrich und Wels gelang erst Karl Illner (1877 - 1935) mit dem 4. Umbau, dem sogenannten „Praterspatz“, am 04.07.1909 in Wiener Neustadt der erste kurze Flug eines österreichischen Motorflugzeuges. Illner war bereits 1906 als Mitarbeiter zu Etrich und Wels hinzugestoßen. Parallel zum Gleiter-Umbau arbeiteten Etrich und Illner ab dem Winter 1906/07 an einem Motorflugzeug mit Rumpf. Ab Oktober 1909 wurde die „Taube“ entwickelt, mit der am 06.04.1910 der Erstflug gelang.

Vor allem militärische Kreise zeigten bald reges Interesse. Der Taube-Typ wurde bei der k. k. Luftschifferabteilung eingeführt, und die Maschinen wurden nach Deutschland, Russland und China verkauft. In Österreich wurden, u. a. von der Firma Lohner, rund 50 Tauben hergestellt. 1914 schenkte Igo Etrich dem Technischen Museum Wien das ausgestellte Exemplar.

Inv.Nr. 1933

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