Flachgewölbeziegel nach System Ludwig, um 1915

Bild
 © Technisches Museum Wien, Foto: Peter Sedlaczek
Sammlungsbereich
Alltag
Sammlungsgruppe
Bautechnik
Ausstellung
Alltag - eine Gebrauchsanweisung
Epoche
1910 - 1919

Ein Flachgewölbe ermöglicht die Reduktion der Bauhöhe, ist massiv und damit weniger empfindlich gegen Feuer und Feuchtigkeit als eine Holzdecke.

Die Baukonstruktion einer Massivdecke war vor den Betondecken nur mit Ziegel- oder Steingewölben möglich. Eine kostengünstigere Bauweise entstand Mitte des 19. Jahrhunderts durch Herstellung von flachen Gewölben, die zwischen Mauern oder Eisenträgern im Abstand von ein bis maximal zweieinhalb Metern gespannt sind. Sie werden Platzl- oder Kappen-Decken genannt („Wiener Platzl“ oder „Preußische Kappe“) und wurden bis etwa 1920 vorwiegend für Erschließungs- und Kellerräume und im Industriebau verwendet. In Reihen zwischen Eisen- oder Stahlträgern verlegt, ermöglichen sie die Abdeckung größerer Räume. Mit verschiedenen Formsteinen, z. B. mit dem „Doppelfalz- und Zackenziegelgewölbe“ nach System Ludwig, wurde es möglich, die Kappen noch flacher zu machen, sodass ihr Stich (die Höhe der Wölbung) nur noch wenige Zentimeter betrug.

Der Musterziegel dazu gelangte 1916 mit einer Reihe von weiteren Produkten und Geräten zur Herstellung vom Ziegelwerk der UNION-Baumaterialien-Gesellschaft in die Sammlung des Technischen Museums Wien. Er ist an allen Seiten nach dem Patent von Franz Ludwig so geformt, dass durch die Profilierung in den Fugen eine stärkere Verbindung unter den Ziegeln entsteht. Sowohl in Druckrichtung als auch quer dazu. Die beiden Hohlräume bewirken eine Reduktion des Eigengewichtes. Die Union-Baumaterialien-Gesellschaft war bis 1916 der zweitgrößte Hersteller von Ziegeln im Raum Wien und hat im gleichen Jahr ihre Produktion an den Marktführer Wienerberger Ziegelfabriks- und Baugesellschaft verkauft.

Neuere Deckenkonstruktionen in Eisenbeton, z. B. nach Systemen von Monier, Hennebique oder Visintini in Wien, lösten die Ziegel-Kappendecke als sparsame Massivdecke ab.



Inv.Nr. 60536

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