• FA-123361 © Technisches Museum Wien, Foto: Peter Sedlaczek
  • FA-123360 © Technisches Museum Wien, Foto: Peter Sedlaczek
Sammlungsbereich
Produktionstechnik
Sammlungsgruppe
Glas und Keramik
Epoche
1910 - 1919
Dieses Objekt ist derzeit im Museum nicht ausgestellt.

Gedrehte Keramik mit Boraxglasur, vermutlich 1911-1919

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Selbstbildnis an der Töpferscheibe? Hat sich hier ein Töpfer oder eine Töpferin am Arbeitsplatz modelliert und sich damit in dem Werkstoff Ton verewigt? Die Plastik gibt Rätsel auf.

Das Stück entstand in Wien vor 1934. In diesem Jahr gelangte es in die Sammlung des Technischen Museums Wien. Die Porzellanmarke „KGwSch“ steht für die „Kunstgewerbeschule Wien“. Sie wurde 1867 gegründet und ging aus dem Österreichischen Museum für Kunst und Industrie, dem Vorgänger der heutigen Universität für angewandte Kunst, hervor. Das Stück gehört zu einem kleineren Konvolut an Keramiken. Alle runden Teile der Plastik sind an der Töpferscheibe gedreht, die ganze Figur trägt farbige Boraxglasuren.

Die Bodenmarke „HB“ wurde in einem alten Ausstellungstext des Museums als „Braunauer“ dechiffriert; einen Nachweis für diese Zuschreibung gibt es allerdings nicht. Sehr wahrscheinlich steht die Marke jedoch für „Hertha Bucher“ (geboren 1898 in Leverkusen, gestorben 1960 in Wien), die in der kleinen Objektgruppe auch mit einer Vase vertreten ist. In diesem Falle könnte es sich um ein Selbstbildnis der in Deutschland geborenen und in Wien lebenden Keramikkünstlerin handeln, die in den Jahren 1911 bis 1919 ihre Ausbildung an der Kunstgewerbeschule Wien absolvierte. Auktionskataloge unserer Zeit sprechen ebenfalls für diese Annahme. Mit „HB“ gemarkte Keramiken werden Hertha Bucher zugeschrieben.

Diese hochbegabte Keramikerin hat eine außergewöhnliche Karriere als Künstlerin aufzuweisen. Bereits während ihrer Ausbildung arbeitete sie für die „Wiener Werkstätte“ und gründete 1920 ihr eigenes Keramikatelier. Ihr Name steht auch in Zusammenhang mit bekannten Manufakturen, wie etwa Augarten oder Gmundner Keramik. Möglicherweise hat sich die sehr junge Hertha Bucher während ihres Studiums an der Wiener Kunstgewerbeschule in „unserer“ Plastik selbst porträtiert und damit gleichzeitig eine weibliche Arbeitsdarstellung hinterlassen. Ein Sujet, das unter den Sammlungsobjekten sehr selten zu finden ist. 

Herkunft: Kunstgewerbeschule des österreichischen Museums für Kunst und Industrie, Wien
Künstlerin: vermutlich Hertha Bucher
Entstehungszeit: vor 1934, vermutlich 1911-1919

Inv.Nr. 7552/3
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