• Kaiser-Josef-Pflug_Nachbildung © Technisches Museum Wien, Foto: Peter Sedlaczek
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Land- und Forstwirtschaft
Ausstellung
IN ARBEIT

Nachbau Pflug Josefs II

Was für eine grandiose, völlig ungeplante PR-Aktion für das Haus Habsburg, damals im Jahre 1769! Und welche großartige anschließende Vermarktung des denkwürdigen Ereignisses, das da lautete: Kaiser Joseph II. pflügt. Es geschah am 19. August, Ort der Handlung war das südmährische Dorf Slavíkovice (Slawikowitz), heute ein Ortsteil von Rousínov (Raußnitz). Die kaiserliche Kutsche hatte just an der Stelle einen Achsenbruch, an der gerade Jan Kartoš, der Knecht des Bauern Andreas Trnka, einen Acker pflügte. Der Kaiser entsteigt der Kutsche, greift sich den Pflug, zieht eigenhändig ein paar Furchen und – geht damit als „Volks- oder Bauernkaiser“ in die Geschichte ein.

Der mährische Bauer und sein Knecht mussten arbeiten, um im Schweiße ihres Angesichts ihr Brot zu verdienen. Der Kaiser dagegen durfte für einige Minuten arbeiten. Notwendigkeit oder Freiwilligkeit, Pflicht oder Freude, Arbeitsalltag oder symbolische Handlung, das macht den Unterschied. Der durch den aristokratischen Arbeitsakt symbolisch erhöhte Pflug stand den beiden mährischen Ackersleuten fortan nicht mehr zur Verfügung. Das Arbeitsgerät wurde wie eine Reliquie gehütet und befindet sich heute im Mährischen Landesmuseum Brünn (Moravské zemské muzeum, Brno). Das Geschehnis war bedeutend genug, um im Jahr 1916 eine Replik des Pfluges anzufertigen, die dem neu gegründeten Technischen Museum Wien überlassen wurde.

Mit dem prestigeträchtigen Ereignis selbst begann auch sogleich dessen werbewirksame Vermarktung. Zahlreiche Abbildungen – auf Kupferstichen, Gemälden, Lithographien, Reliefs und gar Geldnoten – sowie fünf im Laufe der Zeit an dem denkwürdigen Ort errichtete Denkmäler bezeugen das „unerhörte“ Geschehen. Längst hat der Acker von einst dem heutigen Bahnhof von Rousínov-Slavíkovice weichen müssen. Der letzte Gedenkstein wurde im Jahr 1995 aufgestellt, 226 Jahre nach dem kaiserlichen Arbeitsakt. Doch nicht der Arbeit, sondern dem symbolischen Akt der Arbeit wurde hier über Jahrhunderte hinweg ein Denkmal gesetzt. 

Inv.Nr. 9317
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