• FA-121722 © Technisches Museum Wien, Foto: Peter Sedlaczek
Sammlungsbereich
Information & Kommunikation
Sammlungsgruppe
Musikinstrumente
Ausstellung
Musikinstrumente

Hupfeld „Phonoliszt Violina“

Eine selbstspielende Geige? Das hält man kaum für möglich. Doch es gibt sie: Klavier und Geigen in einem Gehäuse, gesteuert von einem gelochten Papierband.

Etwa ab 1900 waren selbstspielende Klaviere beliebte Unterhaltungsinstrumente in Gaststätten und bürgerlichen Salons. Es gab unterschiedliche Ideen und Versuche, sie mit einem anderen Instrument, z. B. einem Akkordeon, zu kombinieren. Bei den sogenannten „Orchestrien“ wurden mehrere Instrumente in einem Gehäuse mit einem Steuerungsmechanismus angespielt. Auf diese Weise wollte man auch die „klassische“ Kombination von Klavier und Geige automatisiert zum Klingen bringen. Die Technik zur Ansteuerung des Klaviers war bekannt, aber für den Geigenteil musste noch eine geeignete Lösung gefunden werden.

Die Firma Hupfeld erfand 1907 eine Vorrichtung zum Automatisieren des Geigenspiels, die als „achtes Weltwunder“ bezeichnet wurde: die „Phonoliszt Violina“. Drei Geigen, jede mit nur einer aktiven Saite, werden mit einem Rundbogen angestrichen. Der Rundbogen besteht aus Pferdehaaren, wie ein echter Geigenbogen. Die Geigen werden von einem Bald gegen den Bogen gedrückt. Ebenfalls balggesteuerte „Finger“ greifen die Töne auf den Saiten ab. Die Steuerung erfolgt über einen Lochstreifen, gemeinsam mit der Klaviersteuerung.

Damit die Unterbrechung beim Wechseln der Lochstreifen nicht zu lang war, gab es Instrumente mit automatischem Rollenwechsler und solche mit zwei Abspielmechanismen, damit der jeweils andere mit einer neuen Rolle bestückt werden konnte. Die sehr teuren Instrumente fanden sich hauptsächlich in Gaststätten und Hotels oder in Kinos zur Begleitung von Stummfilmen. Der Automat aus den Sammlungen des Technischen Museums Wien ist ungefähr um 1914 entstanden.

Hersteller: Hupfeld (Spielapparat) und Rönisch (Klavier)
Herstellungsort: Leipzig
Entstehungszeit: ca. 1914



Inv.Nr. 7457
Member of