• FA-122540 © Technisches Museum Wien, Foto: Peter Sedlaczek
Sammlungsbereich
Produktionstechnik
Sammlungsgruppe
Kunststoffe
Epoche
1910 - 1919
Dieses Objekt ist derzeit im Museum nicht ausgestellt.

Kassette mit Wäsche-Erzeugnissen aus Zelluloid, 1917

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Wäsche abwaschen statt waschen? Der Kunststoff „Zelluloid“ machte es im späten 19. Jahrhundert möglich, feine und teure Leinenwäsche zu imitieren: jederzeit weiße Krägen, Manschetten und Hemdbrüste!

Unser Sammlungsstück wurde dem Technischen Museum 1917 von der „Österreichischen Aktiengesellschaft für Celluloid-Fabrikation Wien“ zur Verfügung gestellt. Zelluloid (auch Zellhorn) ist – im Unterschied zu vollsynthetischen Kunststoffen aus Erdöl – ein halbsynthetischer Kunststoff auf Zellulosebasis und gilt als der erste Thermoplast, ein Kunststoff, der sich thermoplastisch verformen lässt.

Zelluloid ist eine Verbindung von Zellulosenitrat (einem Salpetersäureester der Zellulose, umgangssprachlich nicht ganz richtig als Nitrozellulose bezeichnet) mit Kampfer, der sowohl in der Natur vorkommt als auch synthetisch erzeugt wird. Zelluloid wurde in den 1850er-Jahren entwickelt und seit den 1870er-Jahren vermarktet. Ursprünglich suchte man nach einem preiswerten Ersatzmaterial für das Elfenbein von Billardkugeln. Doch eignet(e) sich dieser Kunststoff auch hervorragend zur Imitation anderer Naturmaterialien, wie Horn, Schildpatt oder Textilien.

Steh- und Umlegekrägen sowie Manschetten aus blütenweißem Leinen wurden lange Zeit separat ans Hemd geknöpft. Seit dem 19. Jahrhundert standen sie für das bürgerliche Statussymbol der strahlend sauberen Wäsche und zugleich für Arbeit, bei der man sich nicht die Hände schmutzig machte. Noch heute ist im Englischen der „white-collar job“ das sprichwörtliche Kürzel für die Arbeit am Büroschreibtisch.

Doch makellose Leinenwäsche war früher teuer. Deshalb griff man auf massenweise gefertigte Hemdteile aus Ersatzmaterialien zurück, die feine Textilien imitierten. Diversen Papier-Leinen-Mischungen folgte der Kunststoff Zelluloid, der Krägen und Manschetten abwaschbar machte. Mit der Ausbreitung der Konfektionsindustrie wurden ab den 1920er-Jahren auswechselbare Stoffkrägen und schließlich Hemden in einem Stück für immer mehr Männer erschwinglich.

Hersteller: Österreichische Aktiengesellschaft für Celluloid-Fabrikation, Wien
Entstehungszeit: 1917

Inv.Nr. 23927/1
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