Kolonialwaren (Kaffee, Tee, Kakao), 1. Hälfte 20. Jh.

Bild
© Technisches Museum Wien, Foto: Peter Sedlaczek
Sammlungsbereich
Produktionstechnik
Epoche
1980 - 1989
Dieses Objekt ist derzeit im Museum nicht ausgestellt.
Rohrzucker, Kaffee, Gewürze – seit dem Mittelalter und vermehrt im kolonialen Zeitalter erfuhr der europäische Speisezettel eine enorme Bereicherung durch Naturprodukte aus anderen Weltgegenden.

Die Geschichte der Kolonialwaren spiegelt auch den Wandel der internationalen Machtverhältnisse wider. Nach der Entdeckung des Seewegs nach Indien im 15. Jahrhundert übernahm Portugal den internationalen Handel mit Gewürzen wie Pfeffer, Nelken und Zimt. Später dominierten England und die Niederlande diese Branche. Nun kamen Zucker und Kaffee als gewinnbringende Produkte dazu. Sie wurden unter anderem auf Plantagen in der Karibik gewonnen. Um die nötige Arbeit zu leisten, wurden Hunderttausende Menschen als Sklaven aus Afrika deportiert. Erst ein Aufstand der Unterdrückten in Haiti leitete 1791 eine Krise dieses Produktionssystems ein. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts erhielt der Rohrzucker allmählich wachsende Konkurrenz durch den Zucker aus Rüben, die in Europa angebaut wurden.

Auch in Ländern ohne eigene abhängige Gebiete in Übersee waren sogenannte Kolonial- bzw. Spezereiwarenhandlungen verbreitet, vor allem in größeren Ortschaften. Dieses Schauobjekt des Technischen Museums Wien stammt von der Firma Julius Meinl und enthält Proben wichtiger Kolonialwaren wie Tee, Kaffee und Kakao. Das Unternehmen wurde 1862 als Kaffeehandlung in Wien gegründet. Ein gutes Jahrzehnt später, auf der Weltausstellung von 1873, bot sich den Bewohnern der Stadt eine außerordentliche Gelegenheit, unter anderem das reiche Sortiment kolonialer Waren kennenzulernen. Über sieben Millionen Menschen besuchten die Exhibition. Unter 53.000 Ausstellern aus mehr als 30 Ländern präsentierte beispielweise Venezuela Kaffee, Kakao, Reis, Tabak und Zucker sowie Rum und Bananenbranntwein. Eine „Kolonialware“ besonderer Art zeigte die englische Kolonie Indien: Sie stellte Opium zur Schau.


Entstehungszeit: 1. Hälfte 20. Jh.

Hersteller: Julius Meinl, Wien

Inv.Nr. 54163

Member of