Kunstdrehbank für Zar Nikolaus von Russland, 19. Jh.

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© Technisches Museum Wien, Foto: Peter Sedlaczek
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Sammlungsbereich
Produktionstechnik
Sammlungsgruppe
Holzbearbeitung
Epoche
1800 - 1849
Dieses Objekt ist derzeit im Museum nicht ausgestellt.

Herrschende regieren, arbeiten aber nicht körperlich. Oder doch? Dieses Objekt könnte ein Gegenbeweis sein. Das Pech dabei: Seine Herkunft ist bis auf die Bezeichnung sehr unzulänglich dokumentiert.

Seit dem späten Mittelalter lässt sich das Interesse von Fürsten an handwerklicher Arbeit belegen. Dabei spielte das Drehen bzw. Drechseln früh eine wichtige Rolle. Die Beschäftigung mit geometrischen Formen passte offenbar ins Bildungsprogramm des Adels. Um 1518 erhielt Kaiser Maximilian I. anlässlich einer Ständeversammlung in Tirol eine geschnitzte Drehbank geschenkt. Auch Kaiser Rudolf II. widmete sich um 1600 in Prag dem Hobby der Drechslerei. Über mehrere Generationen interessierten sich auch die Herrscher von Bayern und andere deutsche Landesfürsten dafür, wobei sie gerne edle Materialien wie Elfenbein verarbeiteten. Darin ließen sie sich von „bürgerlichen“ Spezialisten unterweisen. Die handwerklichen Interessen Peters I. von Russland um 1700 haben später sogar in die komische Oper „Zar und Zimmermann“ Eingang gefunden.

Diese Drehbank des Technischen Museums Wien ist teilweise aus edleren Materialien wie Messing und Elfenbein gefertigt. Sie war zum Kopieren von Reliefbildnissen vorgesehen. Diese Form des Kunsthandwerks verlor im Lauf des 19. Jahrhunderts an Bedeutung. Als eventueller Adressat des Objekts käme somit eher Zar Nikolaus I. – er regierte von 1825 bis 1855 – in Frage als der letzte russische Monarch Nikolaus II., der 1917 abdanken musste.

Den noblen Drehbänken des Adels steht die Vielzahl der einfachen Arbeitsgeräte gegenüber, die oft in Kombination mit dem Schnitzerhandwerk auf dem Land ein zusätzliches Einkommen zum bäuerlichen Haupterwerb ermöglichten. Sie standen im südtirolischen Grödnertal ebenso im Gebrauch wie in der Viechtau zwischen Attersee und Traunsee. Auch in der Produktionskultur der Huzulen in den Karpaten (heute Ukraine) spielten sie eine wichtige Rolle.


Entstehungszeit: 19. Jh.



Inv.Nr. 11028/1

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