Maschinenwebstuhl, um 1910

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© Technisches Museum Wien, Foto: Peter Sedlaczek
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© Technisches Museum Wien, Foto: Peter Sedlaczek
Sammlungsbereich
Produktionstechnik
Sammlungsgruppe
Textilien und Bekleidung
Epoche
1910 - 1919
Dieses Objekt ist derzeit im Museum nicht ausgestellt.
„Im düstern Auge keine Thräne, / sie sitzen am Webstuhl und fletschen die Zähne“ – so drastisch schilderte Heinrich Heine im Jahr 1844 die elende Lage der Handweber in Schlesien.

Beim Weben werden zwei oder mehr Fadensysteme (Kette und Schuss) rechtwinkelig miteinander verkreuzt. Dadurch entsteht eine textile Fläche. Die Mechanisierung der Weberei vollzog sich nicht so schnell wie die der Spinnerei. 1785 nahm Edmund Cartwright in England ein Patent auf einen mechanischen Webstuhl. Es folgten viele kleine Verbesserungen. 1830 liefen in Großbritannien bereits rund 100.000 Maschinenwebstühle. In der Habsburgermonarchie nahmen wenige Jahre später die ersten Mechanismen dieser Art ihren Betrieb auf. Ihre Standorte lagen in Niederösterreich, Vorarlberg und Böhmen.

Die mechanischen Stühle waren aber noch längere Zeit teuer und störungsanfällig. Außerdem produzierten sie nicht viel schneller als Heimarbeiter an ihren Webstühlen. Während die Handspinnerei mit dem Aufkommen der ersten Spinnmaschinen recht schnell vom Markt verschwunden war, konnten sich die Handweber in vielen Regionen noch über Jahrzehnte halten. Dennoch empfanden viele die Maschinenstühle als Bedrohung und sahen ihre ohnehin prekären Arbeitslöhne gefährdet.

Zu den Nachteilen mechanischer Stühle zählte der Umstand, dass sie intensiver Wartung bedurften. Gerissene Fäden mussten repariert und Webschützen, die das Schussgarn enthielten, händisch ausgetauscht werden. Um 1890 entwickelte der englischstämmige Mechaniker James Northrop in den USA Webautomaten mit automatischem Schützenwechsel. Darüber hinaus konstruierte er einen Kettenfadenwächter, der im Fall eines Fadenbruchs die Maschine abstellte. Northrops Maschinen waren einfach zu bedienen und fanden alsbald Verbreitung. Bereits 1904 liefen in US-Fabriken über 100.000 Stühle dieses Typs, Websäle mit über 1.000 Stühlen waren keine Seltenheit.


Hersteller: Ungarisch-Amerikanische Northrop-Webstuhl und Textilfabriks AG

Entstehungszeit: um 1910

Inv.Nr. 12485/1

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