Modell einer Hausseifenfabrik, um 1935

Bild
© Technisches Museum Wien, Foto: Peter Sedlaczek
Sammlungsbereich
Produktionstechnik
Sammlungsgruppe
Chemische Produktionstechnik
Ausstellung
IN ARBEIT
Epoche
1930 - 1939
„Die Seife ist ein Maaßstab für den Wohlstand und die Cultur der Staaten“ – diese Ansicht vertrat der deutsche Chemiker Justus von Liebig 1844 in seinen populären „Chemischen Briefen“.

Seifen werden gewöhnlich aus pflanzlichen oder tierischen Fetten erzeugt. Handwerkliche Vorläufer dieser Branche sind die Seifensiederei und die Kerzenerzeugung. Beide Gewerbe benutzten Bienenwachs als Rohstoff. Im 19. Jahrhundert stieg der Bedarf an Seifen zu industriellen und privaten Zwecken enorm an. Damals gelangten neue Fette wie Kokos- und Palmöl aus den Kolonien nach Europa. Weitere Grundstoffe wie Soda wurden in großen Mengen erzeugt, und die chemische Forschung stellte die Verfahrenstechnik zur Seifenproduktion auf eine neue Basis.

1936 veranlasste die „Österreichische Georg Schicht A. G.“ die Schenkung zweier Fabriksmodelle zur Erzeugung von Haus- bzw. Feinseifen an das Technische Museum Wien. Johann Schicht, der Gründer dieses Unternehmens, stammte aus Ringelshain (Rynoltice) in Böhmen. Sein Vater war Landwirt sowie Fleischhauer und besaß auch eine Befugnis zur Seifensiederei. Johann Schicht lernte das kaufmännische Gewerbe in Reichenberg (Liberec) und Wien. 1882/83 ließ er eine Seifenfabrik in Aussig an der Elbe (Ústí nad Labem) an der Grenze zu Sachsen errichten. Hier erzeugte bereits ein großer Chemiekonzern einen Teil der benötigten Rohstoffe, die Lage am Fluss sicherte ferner den billigen Transport von Kokos- und Palmöl. Bald wurde die „Schicht-Seife“ zur bekannten Marke, außerdem produzierten Schichts Betriebe Waschmittel und Speisefett. 1906 beschäftigten seine Söhne 1.900 Personen an mehreren Standorten. Nach der Krise des Ersten Weltkriegs expandierte das Unternehmen weiter, 1929 verschmolz es mit niederländischen und englischen Firmen zum Konzern Unilever.


Hersteller: Franz Wicke, Wien

Entstehungszeit: um 1935

Spender: Georg Schicht A.G., Wien

Inv.Nr. 13791

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