• FA-121694 © Technisches Museum Wien, Foto: Peter Sedlaczek
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Sammlungsbereich
Produktionstechnik
Sammlungsgruppe
Textilien und Bekleidung
Epoche
1900 - 1909
Dieses Objekt ist derzeit im Museum nicht ausgestellt.

Musterbuch mit Uniformstoffen für die englische Armee, 1901-1902

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Imponieren oder tarnen? Lange Zeit wurden Soldaten in bunte Uniformen gesteckt. Erst Ende des 19. Jahrhunderts erfolgte allmählich ein Übergang zum „Feldgrau“ oder „Khaki“.

Französische Truppen zogen über Jahrzehnte mit roten Uniformhosen in den Kampf. Die Färbung erfolgte mit natürlichen Krappwurzeln, die unter anderem in Südfrankreich angebaut wurden. Ihr Farbstoff, das Alizarin, wurde seit etwa 1870 von deutschen Chemikern künstlich aus Kohlenteer hergestellt, sodass sich der Anbau des Krapps bald nicht mehr lohnte. Die Hersteller von Uniformen für die englische Armee wiederum griffen auf ein koloniales Produkt zurück, die indische Indigopflanze. Auch diese musste schließlich einem Erzeugnis der Teerfarbenforschung weichen: Adolf von Bayer entwickelte ein Verfahren zur Herstellung künstlichen Indigos, das die „Badische Anilin- und Sodafabrik“ (BASF) 1897 auf den Markt brachte. Damals wurde in Indien auf 650.000 Hektar Indigo angebaut. Um die Interessen ihrer Plantagenbesitzer zu wahren, schrieb die englische Regierung die Verwendung dieses Naturprodukts für ihre Marineuniformen vor. Sie sind in diesem Objekt des Technischen Museums Wien zu sehen. Dennoch sank die Anbaufläche binnen weniger Jahre auf ein Viertel, im gleichen Maß setzte sich der künstliche Indigo auf dem Markt durch.

Die Entwicklung der Farbenindustrie wurde zu einem „Kampf“ zwischen europäischen Nationen hochstilisiert, was sich auch in martialischer Wortwahl äußerte. So schlossen sich 1904/05 die Firmen BASF, Agfa und Bayer zu einem „Dreibund“ zusammen, zwei weitere Unternehmen bildeten einen „Zweibund“. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg lieferten Betriebe aus dem Deutschen Reich rund drei Viertel der Weltproduktion an synthetischen Farben. 1925 schlossen sie sich zu einer weiteren Interessengemeinschaft, der „I.G. Farben“, und damit zum größten Chemiekonzern der Welt zusammen. Dieser spielte später in der Wirtschaft der NS-Zeit eine bedeutende Rolle.


Entstehungszeit: 1901-1902

Inv.Nr. 82918
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