• FA-111829 © Technisches Museum Wien, Foto: Peter Sedlaczek
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  • FA-113830 © Technisches Museum Wien, Foto: Peter Sedlaczek
Sammlungsbereich
Produktionstechnik
Sammlungsgruppe
Glas und Keramik
Epoche
1800 - 1849
Dieses Objekt ist derzeit im Museum nicht ausgestellt.

Mustertafel: Gefasster Glasschmuck, Böhmen, um 1837

Test
Merken

Sein oder Schein, echt oder unecht, das ist hier die Frage. Nicht nur mit falschen Haaren oder Zähnen kann man sich schmücken, sondern auch mit falschem Geschmeide – zum Beispiel aus Glas.

Im 19. Jahrhundert wurden Glasflüsse, auch Glaspasten oder Compositionsglas genannt, zur Nachahmung von Edelsteinen immer beliebter. In farblosem Zustand imitiert das bleihaltige Glas Diamanten, in geschliffener Form Brillanten. Die Imitationen aus klarem Glas sind auch als „Strass“ bekannt, wer immer ihn auch erfunden hat: der Franzose Georges Fréderic Strass (Stras) oder der Wiener Josef Strasser. Strass hat eine hohe Lichtbrechung und kommt damit dem Diamanten, dem härtesten aller Edelsteine, zumindest nahe. Durch Einfärben des Glasflusses mit Metalloxiden lassen sich auch alle anderen Edelsteine, wie Rubine, Saphire oder Smaragde, nachahmen. Zur Herstellung imitierter Edelsteine wird das geschmolzene Glas, der Glasfluss, in Modeln geformt und anschließend geschliffen.

Die bedeutendsten Zentren der Glasschmuckerzeugung im 19. Jahrhundert lagen in Nordböhmen und in Venedig. Gegen 1840 hatte sich um die „Glas-Compositions-Fabrik“ des Ferdinand Unger in Liebenau (Hodkovice nad Mohelkou, Böhmen) ein gewaltiger Industriezweig angesiedelt. Der Bericht der Gewerbeausstellung in Graz im Jahr 1841 nennt: „3 Glashütten [...] 19 Brenn- oder Compositionshütten liefern die Pasten oder Glasflüsse [...] zu den nachgeahmten Edelsteinen [...] 180 Schleifmühlen [...] mit dieser Arbeit, dann dem Poliren, Anreihen, Einfassen, Malen und Vergolden der genannten Gegenstände sind 4500 bis 5000 Menschen beschäftigt.“

Die Mustertafel mit gefasstem Glasschmuck des Technischen Museums trägt die Bezeichnung „Gürtler Arbeit“ und verweist auf den Beruf des Gürtlers, der als „Messingschlosser“ kunstgewerbliche Gegenstände herstellte, z. B. Schnallen und Glieder für Gürtel. Hier hat also ein Gürtler die Edelsteinimitationen des Ferdinand Unger in Messing gefasst und damit die Glassteine zum Glasschmuck gemacht.  

Hersteller: Ferdinand Unger, Liebenau (Hodkovice nad Mohelkou), Böhmen
Entstehungszeit: um 1837



Inv.Nr. 36761
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