• FA - 80598/1 © Technisches Museum Wien
Sammlungsbereich
Produktionstechnik
Sammlungsgruppe
Chemische Produktionstechnik
Epoche
1900 - 1909
Dieses Objekt ist derzeit im Museum nicht ausgestellt.

Mustertafel mit Gummiwaren, Anfang 20. Jh.

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Reifen, Knüppel und Kondome aus dem „Holz, das weint“: Seit fast 200 Jahren spielt der Gummi bzw. der natürliche Werkstoff Kautschuk eine schwer wegzudenkende Rolle in Technik, Wirtschaft und Alltag.

Bereits im 18. Jahrhundert brachten Naturwissenschafter Proben dieser exotischen Substanz nach Europa. Sie war aber empfindlich gegenüber wechselnden Temperaturen, entwickelte einen starken Geruch und löste sich im Kontakt mit Fett, Öl oder Säuren auf. Erst um 1840 gelang Charles Goodyear in den USA nach jahrelanger Suche der technische Durchbruch mit der „Vulkanisation“. Dabei entstand eine Kautschuk-Schwefel-Mischung, die in der Folge als „Gummi“ vielseitigste Verwendung fand. 1888 ließ der englische Tierarzt John Dunlop das Prinzip des luftgefüllten Reifens patentieren, was den Gummibedarf weiter steigerte. Der belgische König Leopold II. etablierte zu dieser Zeit im Kongo eine Schreckensherrschaft, um an das begehrte Material zu kommen. Dabei wurden viele tausend Einheimische in die Zwangsarbeit getrieben und im Fall ihrer Weigerung verstümmelt und ermordet.

In Österreich begründete der mährische Schneiderssohn Johann Nepomuk Reithoffer aus sehr bescheidenen Anfängen die industrielle Kautschukverarbeitung. Bei seinem Tod 1872 zählte seine Fabrik in Wimpassing (Niederösterreich) rund 800 Beschäftigte. Im Jahr 1881 gründeten mehrere Interessenten in Wien-Breitensee eine „Österreichisch-Amerikanische Gummiwarenfabrik“. Dieses Unternehmen wurde später in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und bildete den Kern eines enormen Konzentrationsprozesses, mit weiteren Fabriken und Beteiligungen in Niederösterreich, Böhmen, Ungarn und Deutschland. Der inzwischen in „Semperit“ umbenannte Konzern lieferte Reifen, Gummistoffe, Bälle, technische Artikel und Asbestwaren. Beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs beschäftigte er 3.100 Personen.


Hersteller: Semperit Österreichisch-Amerikanische Gummiwerke AG

Herstellungszeit: 1. Drittel 20. Jh.

Inv.Nr. 80598/1
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