Nachbau „Spinning Jenny“, um 1997

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© Technisches Museum Wien, Foto: Peter Sedlaczek
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© Technisches Museum Wien, Foto: Peter Sedlaczek
Sammlungsbereich
Produktionstechnik
Sammlungsgruppe
Textilien und Bekleidung
Epoche
1990 - 1999
Dieses Objekt ist derzeit im Museum nicht ausgestellt.

Der junge Nachbau einer alten Maschine, erfunden im Mutterland der industriellen Revolution. 1788 standen rund 20.000 solcher „Jennies“ in englischen und schottischen Häusern.

Spinnen bedeutet das Zusammendrehen und Verstrecken kurzer Fasern zu einem Faden. Die Mechanisierung dieses Vorgangs nahm ihren Ausgang in England. Ein Anlass dafür war offenbar, dass die Handspinnerinnen den Webern nicht genug Garn liefern konnten. Daher konstruierte der Weber John Hargreaves in Lancashire in den 1760er-Jahren eine Vorrichtung, um mehrere Fäden gleichzeitig zu spinnen. Er ahmte dabei die Bewegungsabläufe einer Spinnerin nach. Der Legende nach benannte Hargreaves die Maschine nach seiner Tochter Jenny. Bevor sie weiter verbessert wurde, erbrachte eine „Spinning Jenny“ ungefähr die Leistung von drei Handspinnerinnen.

Die „Jenny“ war eine Maschine für den Hausgebrauch. Alsbald folgten weitere Mechanismen zum Spinnen, und die ersten Fabriken entstanden. Um 1769 entwickelte der gelernte Perückenmacher und Barbier Richard Arkwright die „Waterframe“, die ihn zu einem reichen Mann machte. Rund zehn Jahre später folgte Samuel Crompton mit einer weiteren Konstruktion, der „Mule“. Im Gegensatz zu ihren Vorgängerinnen ermöglichte sie die Erzeugung sowohl harten Kettgarns wie auch weichen Schussgarns. Die „Mule“ wurde zur Standardspinnmaschine in englischen Textilfabriken. Die Geheimnisse der englischen Mechanismen wurden bald ausspioniert: Bereits 1784 nahm der deutsche Kaufmann Johann Gottfried Brügelmann in Ratingen die Produktion mit „Waterframes“ auf.

Die großteils aus Holz gefertigten „Jennies“ sind schon lange außer Betrieb, nur wenige Originale haben sich erhalten. Zwei unvollständige Exemplare befinden sich im Besitz des Technischen Museums Wien. Auf dem Nachbau kann tatsächlich gesponnen werden. So lässt sich die Befriedigung nacherleben, wenn statt eines Fadens mehrere entstehen – und der Schreck, wenn diese aufgrund eines Ungeschicks gleichzeitig reißen.


Hersteller: Institut für Technik und ihre Didaktik, Universität Münster

Entstehungszeit: um 1997



Inv.Nr. 33817

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