• FA-116611 © Technisches Museum Wien, Foto: Peter Sedlaczek
  • FA-116613 © Technisches Museum Wien, Foto: Peter Sedlaczek
  • FA-116616 © Technisches Museum Wien, Foto: Peter Sedlaczek
Sammlungsbereich
Produktionstechnik
Sammlungsgruppe
Chemische Produktionstechnik
Ausstellung
IN ARBEIT
Epoche
1900 - 1909

Staubproben aus Industrie und Gewerbe, um 1900

Gesammelt, beschriftet, untersucht: Gebannt auf kleine Glasplättchen wirken diese Staubproben aus vielen Gewerben harmlos. Nicht so in der Lunge.

Die mehr als 70 Präparate im Technischen Museum Wien enthalten Stäube aus Metall (wie Messing, Eisen, Zink), Mineralien (Meerschaum, Bernstein, Gips), pflanzlichen und tierischen Fasern (Flachs, Hanf, Seide), aus anderem tierischen Material (Hirschhorn, Schildpatt, Elfenbein) sowie von Lebensmitteln (Zichorien, Mehl und Reis). Um 1900 etablierte sich allmählich die Arbeitsmedizin als eigenes Fach . Mit Sorge stellten Ärzte und Inspektoren fest, dass die Staubbelastung in vielen Betrieben auch die ohnehin weit verbreitete Lungentuberkulose förderte. Zur Veranschaulichung der Gefahren zeigte das Wiener „Gewerbe-hygienische Museum“ eine Reihe von Schutzvorrichtungen, wie Konstruktionen zur Staubabsaugung.

Besonders viel Staub entsteht beim Schleifen, einem spanenden Fertigungsverfahren zur Bearbeitung von Oberflächen mit Schleifmitteln. Kleine Teilchen reizen Lungen, Augen und die Haut. Vor der Industrialisierung wurden Stein, Holz, Metall, Glas oder Perlmutt mit natürlichen Substanzen geschliffen, etwa mit Schmirgel von der griechischen Insel Naxos. Auch Fischhaut und Schachtelhalm kamen zum Einsatz. Letzterer enthielt viel Kieselerde, die sich zum Polieren von Haushaltsgerät eignete, er heißt daher auch Zinnkraut. Die Ausweitung der Produktion vermehrte die Zahl der bestehenden Staubarten und verursachte neue. Nun wurden auch künstliche Schleifmittel, wie Siliziumkarbid, erzeugt. Die Schleifer bearbeiteten vielfach Werkzeuge, Scheren und Messer, optische Gläser und Marmor. In der Fertigung drängten Rundschleifmaschinen die Drehbank zurück.

Trotz verbesserter Vorkehrungen zählt die „Staublunge“ in Österreich bis heute zu den gesetzlich anerkannten Berufskrankheiten. Nach wie vor sind Luftwege und Lungen gefährdet durch Asbestfasern und Hochofenschlacke, kleine Teilchen aus Aluminium, Hartmetall- und Hartholzstaub sowie durch Baumwoll- und Flachsstaub.


Hersteller: Eidgenössisches Fabriksinspektorat

Entstehungszeit: um 1900

Inv.Nr. 68617/1
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