• FA-124327 © Technisches Museum Wien, Foto: Peter Sedlaczek
  • FA-124328 © Technisches Museum Wien, Foto: Peter Sedlaczek
Sammlungsbereich
Produktionstechnik
Sammlungsgruppe
Glas und Keramik
Epoche
1910 - 1919
Dieses Objekt ist derzeit im Museum nicht ausgestellt.

Werdegang eines Bechers in Flachfarbentechnik, Böhmen, 1914

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Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kamen Dekore in Mode, die mit dem „Aerographen“ erzeugt wurden. Dabei handelt es sich um eine damals entwickelte Farb-Spritzpistole, heute auch als „Airbrush“ bekannt.

Die Flachfarbentechnik zählt wie das ornamentale Bemalen von Glas zu den chemisch „auf“tragenden Glasveredelungsverfahren. Dabei wird die Farbe entweder mit einem Pinsel oder mit einem Spritzapparat auf das Glas aufgebracht und anschließend gebrannt. Dies kann großflächig geschehen oder – wie in unserem Beispiel – mit Hilfe einer Schablone.

Der Vorteil der Spritzpistole gegenüber dem Pinsel liegt in der Zerstäubung der Farbe mittels Druckluft. Dadurch entsteht ein fein dosierbarer Farbnebel, der makellose Oberflächen und weiche Farbverläufe erlaubt.

Auch in den beiden nordböhmischen Glasfachschulen in Steinschönau (Kamenický Šenov) und im nur wenige Kilometer entfernten Haida (Nový Bor) wurde mit der neuen Farb-Spritztechnik experimentiert. Die durchgeführten Experimente finden sich jeweils in Goldschrift auf den Gläsern vermerkt und stellen eine wertvolle Quelle zur Technikgeschichte dar. Einer der Glasfachschüler oder vielleicht auch ein Lehrer hat dem Technischen Museum Wien drei Gläser hinterlassen, von denen zwei vollflächig violett eingefärbt den Hinweis tragen: „Flachfarbe mit dem Spritzapparat aufgetragen Rud. Tischer Haida“. Der hier gezeigte dritte Becher trägt die Aufschrift: „Schabloniert Rud. Tischer Haida“. Als Schablone diente eine Form aus Metallblech, die auf der Rückseite offen ist, so dass man den zu bemalenden bzw. zu besprühenden Becher im Zusammenspiel mit der Schablone leicht handhaben kann. Hier spiegelt sich auch die unmittelbare räumliche Nähe der beiden Glasfachschulen, denn in die Sammlung eingesandt wurde die Serie der Flachfarbentechnik von der Fachschule in Steinschönau.

Spritzdekore aus dem frühen 20. Jahrhundert sind jedoch nicht nur aus der Glasveredelung bekannt, sondern erfreuten sich auch auf Keramikobjekten großer Beliebtheit.

Hersteller: K. k. Glasfachschule Steinschönau (Kamenický Šenov), Böhmen
Entstehungszeit: 1914



Inv.Nr. 11740/3
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