Werdegang eines gravierten (geschnittenen) Glases, 1914

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 © Technisches Museum Wien, Foto: Peter Sedlaczek
Sammlungsbereich
Produktionstechnik
Sammlungsgruppe
Glas und Keramik
Epoche
1910 - 1919
Dieses Objekt ist derzeit im Museum nicht ausgestellt.

Glas lässt sich auf die unterschiedlichsten Arten veredeln, etwa durch „ab“tragende Verfahren, wie Schleifen, Gravieren, Sandstrahlen und Ätzen, oder durch „auf“tragende Verfahren wie das Bemalen.

Die beiden – in den 1850/60er-Jahren gegründeten – nordböhmischen „k. k. Fachschulen für Glasindustrie“ in Steinschönau (Kamenický Šenov) und in Haida (Nový Bor) brachten im Jahr 1914 eine ganze Reihe sehr anschaulicher Herstellungsgänge zur Glasveredelung in die Gründungssammlungen des Technischen Museums Wien ein.

Die Werdegänge sind besonders aufschlussreich, weil die einzelnen Schritte der Fertigung sowohl in den mitgelieferten schriftlichen Verzeichnissen dokumentiert als auch den Objekten selbst am oberen Rand eingeschrieben sind. Eine dieser Reihen zeigt die „Gravierung mit Kupferrädchen“, mit folgenden Arbeitsschritten: „1. ‚angezeichnet’, 2. ‚vorgeschnitten’, 3. ‚matt geschnitten (matt fertig)’ und 4. ‚geschnitten poliert (mit polierten Stellen’)“. Häufig ist diesen Produktionsschritten noch ein weiterer vorangestellt: das Vorzeichnen des Motivs mit Tusche.

Das Gravieren (Schneiden) von Glas zählt – wie das Kugeln (Schleifen) – zu den mechanisch „ab“tragenden Verfahren, wobei sich das Gravieren als eine verfeinerte Technik des Schleifens verstehen lässt. Schliffmuster sind meist geometrisch, Gravuren zeichnen sich durch eine freiere Gestaltung aus. Arbeitet der Glaskugler (Schleifer) mit gröberen Werkzeugen, so setzt der Graveur (Schneider) kleine Schneiderädchen ein, die meistens aus Kupfer sind. Auf die rotierenden Rädchen wird ein Schmirgelbrei aufgetragen.

Das Polieren kleiner und kleinster gravierter Stellen, wie hier etwa im Inneren der Blüten, erfolgt durch Rädchen aus Kork, Holz, Filz, Leder oder Blei. Die mattweißen Schnittflächen werden durch diese Handpolitur wieder blank und wirken dunkler, was sehr schöne Hell-Dunkel-Effekte erzeugt. 

Hersteller: K. k. Fachschule für Glasindustrie Haida (Nový Bor), Böhmen
Entstehungszeit: 1914



Inv.Nr. 11768/1

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