• FA-123475 © Technisches Museum Wien, Foto: Peter Sedlaczek
Sammlungsbereich
Alltag & Umwelt
Sammlungsgruppe
Freizeit, Spiel und Sport
Epoche
ab 2000
Dieses Objekt ist derzeit im Museum nicht ausgestellt.

Werkzeugset „Pink“

Im Technischen Museum Wien ist man leicht verunsichert: Ein 12 x 10 cm großes rosafarbenes Kunststoffköfferchen enthält ein kleines Sortiment an Werkzeug. Aber wofür und für wen ist es gedacht?

Die Zusammenstellung des Werkzeugs wirkt unmotiviert: eine Ratsche mit einer Serie von Steckschlüsseln, ein Maßband, ein Stanley-Messer, eine Wasserwaage en miniature und zwei Uhrmacherschraubenzieher. Man grübelt, aber es wollen einem keine zusammenhängenden Arbeiten einfallen, die damit bewerkstelligt werden könnten. Material und Verarbeitung des Werkzeugs lassen nicht vermuten, dass es seinen Dienst – welchen auch immer – sehr lange versieht. Vor allem die Wasserwaage erweckt den Eindruck, dass sie nicht in ein Heimwerkersortiment gehört, sondern eher dem Puppenspielzeug zuzuordnen ist. Die Wahl der Leitfarbe ist allerdings eindeutig: die Zielgruppe, an die sich der Hersteller wendet, ist weiblich.

Anhand solch eines Objektes lassen sich gesellschaftliche Überlegungen anstellen. In den letzten Jahrzehnten hat das Heimwerken als eine Form der Freizeitgestaltung immer breiteren Raum eingenommen. Das hängt damit zusammen, dass die Menschen der Wohnraumgestaltung immer größere Bedeutung beimessen und die Möglichkeiten dazu vielfältiger geworden sind. Parallel dazu sind klassische Rollen- und Familienbilder brüchig geworden. Frauen müssen und wollen immer häufiger selbst Hand anlegen, wenn es um Reparaturen und Bestandsverbesserungen geht. Sie eignen sich zunehmend das traditionell männlich konnotierte Feld des Heimwerkens an und werden dementsprechend von Baumärkten verstärkt als Konsumentinnen wahrgenommen. Der Versuch seitens der Werkzeughersteller, sie über die Farbe Rosa direkt anzusprechen, überrascht also nicht. Unklar bleibt nur, warum den Frauen Werkzeug von schlechter Qualität und ohne konkreten Verwendungszusammenhang an die Hand gegeben wird. Es liegt der Schluss nahe, dass deren Do-it-yourself-Ambitionen nicht ganz ernst genommen werden.

Inv.Nr. 84498/1
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