Motorsportgeschichte

Krise

Proteste

Proteste gegen Motorsportveranstaltungen gab es seit den Anfängen. Beschauliche Sommerfrische-Regionen wurden durch tausende BesucherInnen, Straßensperren und Behinderungen des Postbusverkehrs massiv gestört. Einen der ersten, auch erfolgreichen Proteste formulierte 1910 die Bevölkerung der Semmering-Gemeinden gegen das seit 1900 stattfindende Semmering-Rennen, das das „Bild eines zügellosen, sicherheitsgefährlichen Verkehrs“ biete und eine „Belästigung“ sei. Der Statthalter musste die Veranstaltung absagen, die erst wieder 1921 stattfinden konnte.

Einsprüche dieser Art blieben allerdings selten und hatten kaum Aussicht auf Erfolg. Mit der Idee der Flugplatzrennen Ende der 1950er-Jahre hatten die Veranstalter u. a. auch die Hoffnung nach einem störungsfreien Ablauf verbunden. Das funktionierte auch grundsätzlich, doch in Innsbruck kam es auf Grund der stadtnahen Lage des Flughafens im dritten Rennjahr zu einem Protest der Kammer der gewerblichen Wirtschaft, die aus Gründen des Fremdenverkehrs die Veranstaltung als „äußerst bedenkliche und gerade zu unverantwortliche Idee“ kritisierte (Tiroler Nachrichten 31.8.1960, zitiert nach Chraust, 2004). Diese Argumentation hatte damals keinen Erfolg. Erst nach Ölkrise und internationaler Kritik am Motorsport erklärte der Innsbrucker Bürgermeister Alois Lugger, der in den 1960er-Jahren das Rennen immer unterstützt hatte, im Jahr 1977 auf Grund der Lärmbelästigung angesichts der nahen Universitätsklinik das Flughafenrennen in Zukunft nicht mehr zu genehmigen.

Einen Paradigmenwechsel für den Motorsport bedeutete die Ölkrise im Jahr 1973. Als direkt von Mineralölindustrie abhängig, als umweltschädigend und einer Geschwindigkeitsideologie huldigend, wurde der Motosport massiv kritisiert. Die Zuschauerzahlen nahmen rapid ab. Nach Jahrzehnten erfolgreicher Veranstaltungstätigkeit mussten sich die Organisatoren neu orientieren und die bisherige Vereinsarbeit neu strukturieren..

Die hunderte Kilometer durch die österreichische Landschaft ihre Spuren ziehenden Rallyes spürten die Auswirkungen der Krise am unmittelbarsten. Noch im Jahr 1973 verkündeten die Veranstalter der Internationalen Österreichischen Alpenfahrt mit der 44. Rallye, der Internationalen Rallye der 1000 Minuten und der Internationalen Semperit-Rallye das Ende ihrer traditionsreichen Veranstaltungen. Die letzte Internationale Donau-Rallye fand bereits 1971 statt.

Unfälle

Ebenfalls von Anfang an begleiteten den Rennsport schwere Unfälle. Dies betraf Rennfahrer, aber auch Zuschauer. Daher wurden die Sicherheitsvorkehrungen allmählich verbessert. Als am 11. Juni 1955 Mike Hawthorn in Le Mans durch ein unvorsichtiges Fahrmanöver einen Unfall des hinter ihm liegenden französischen Rennfahrers Pierre Levegh auslöste, starben Levegh und 83 Zuschauer. Als Reaktion darauf zog sich Mercedes für einige Jahre aus dem Rennsport zurück.
Der tödliche Unfall des Wolfgang Graf Berghe von Trips am 10. September 1961 beim Rennen zum Großen Preis von Italien in Monza kostete 15 Zuschauern das Leben. Berghe von Trips wurde posthum in diesem Jahr Vizeweltmeister, aber auch „Sportler des Jahres“. Eine Auflistung der tödlichen Unfälle nur der im Projekt dokumentierten Fahrer macht betroffen: Fergus Andersen, Anton Babl, Hans Baltisberger, Lorenzo Bandini , Werner Bergold, Joakim Bonnier, Florian Camathias, Hilmar Cecco, Jim Clark, Dickie Dale, Fritz Dirtl, Jacques Drion, Rupert Hollaus, Charles Jellen, Gerhard Mitter, Tom Phillis, Jochen Rindt, Martin Schneeweiß, Jo Siffert, Ingeborg Stoll, Rolf Stommelen.

Die toten „Helden“ ehrte man mit Gedenkveranstaltungen. So hieß z. B. das Motorradrennen in Salzburg-Liefering ab 1955 „Rupert Hollaus-Gedächntisrennen“, ein Speedway-Paarfahren in Bruckneudorf (Burgenland) 1969 „Fritz Dirtl-Gedenkrennen“, das Flugplatzrennen Wien-Aspern nach dem Tod von Kurt Barry bei einem Verkehrsunfall ab 1964 „Curd Barry-Gedenkrennen“ und das Speedwayrennen in Natschbach-Loipersbach (Niederösterreich) nach einem tödlichen Motorradunfall des Burgenländers Josef Kamper ab 1984 „Josef Kamper-Memorial“.

In wenigen Fällen führten tödliche Unfälle und Unfälle mit Zuschauern zur Einstellung von Rennveranstaltungen, so im Jahre 1969 beim traditionsreichen Gaisbergrennen und 1990 beim Alpl-Bergrennen. Beim Mühllacken-Bergrennen in St. Agatha (Oberösterreich) wurde nach einem Unfall mit zwei getöteten Besuchern 2009 das Rennen im darauffolgenden Jahr ausgesetzt.

Oldtimer-Veranstaltungen

In vielen Fällen traten nach einer „ Denkpause“ Veteranen- bzw.- Oldtimer-Rallyes an die Stelle der früheren Motorsport-Veranstaltungen. Für die älteren Funktionäre, Journalisten und Rennfahrer, die überlebt hatten, sowie für private Sammler und die großen Automobilkonzerne inzwischen eine willkommene Gelegenheit, sich nunmehr in gemächlicher Art ohne Geschwindigkeitsrausch mit den auf Hochglanz polierten Oldtimern der Vergangenheit einem interessierten Publikum zu präsentieren. Oldtimer-Veranstaltungen und Oldtimer-Präsentationen bei Rennveranstaltungen gab es seit den 1960er-Jahren. Zu der bis heute bedeutendsten Veranstaltung entwickelte sich seit 1982 die Ennstal-Classic in der Steiermark.

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